Oldenburg - Die Vor- und Nachteile von Fast Food kennt jeder: Burger und Co. sind schnell zubereitet und günstig – dafür allerdings weder besonders hochwertig noch gesund. Ähnliches gilt für das Geschäftsmodell „Fast Fashion“ der Textilindustrie. Die „schnelle Mode“ ist leicht verfügbar und preiswert. Definiert wird „Fast Fashion“ vom Cambridge Dictionary als „Kleidung, die billig hergestellt und verkauft wird, damit der Kunde häufiger neue Kleidung kaufen kann“.
Günstige Kleidung hat allerdings einen hohen sozialen und ökologischen Preis. Rund 300 Millionen Menschen arbeiten weltweit für die Textindustrie – überwiegend in menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen. Der Global Slavery Index bezeichnet die Bekleidungsindustrie daher auch als den zweitgrößten Treiber von moderner Sklaverei auf der Welt. Einigen bekannten Marken werden zudem immer wieder Umweltverschmutzung und Tierquälerei vorgeworfen.
Etwas ändern – aber wie?
„Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist während der Pandemie zwar gestiegen. Leider haben wir aber verlernt, den Wert der Kleidung zu kennen und zu schätzen“, stellt Rainer Borkmann fest. Seiner Frau Nicole gehört die Boutique „Hella & Hermann“ in Oldenburg. In dem Familienunternehmen in der Burgstraße werden ausschließlich nachhaltig und fair produzierte Kleidungsstücke verkauft. Es ist nicht die einzige, aber eine der wenigen Adressen für faire und nachhaltige Mode in Oldenburg, zwei weitere sind Maas Natur in Wechloy und Deerberg in der Innenstadt. Bei der Auswahl der Ware achte man nicht nur darauf, ob das Kleidungsstück ein Öko-Siegel trägt, erklärt Rainer Borkmann. Im Vordergrund stehe die Transparenz des Herstellers und der Marke. Die Auswahl der Öko-Labels sei sehr groß. Allerdings sei der Anteil fair produzierter Kleidungsstücke nach wie vor gering: „Nur ein Prozent der Kleidung auf dem Markt ist fair produziert“, so Borkmann. Greenwashing sei ein großes Problem.
Monatlichen Kollektionswechsel kann unsere Welt nicht verkraften
Die Lieferschwierigkeiten in der Coronazeit habe einige Firmen zum Umdenken gebracht, ist Reinhard Maas, Geschäftsführer von Maas Natur, überzeugt. „Es scheint eine Besinnung zu geben, Produktionsstätten wieder nach Deutschland zurückzuholen. Firmen, die in Fernost produzieren lassen, haben durch die Pandemie nun Probleme. Die Container sind knapp und Frachtraten haben sich verdreifacht“, sagte er im Wirtschaftsmagazin „Meile bewegt“. Dass sich das Modekarussell immer schneller dreht, sieht er mit Sorge: „Das System der konventionellen Modeanbieter mit einem monatlichen Kollektionswechsel kann unsere Welt nicht mehr gebrauchen und schon lange nicht mehr verkraften.“
Daran erkennt man nachhaltige und faire Marken
Die Siegel mit den strengsten Standards sind unter anderem der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (Naturtextil IVN Best) und Made in Green von Öko-Tex, zeigt eine Untersuchung von Greenpeace. Aber auch der Blaue Engel des Bundesumweltministeriums, Fairtrade Cotton, Peta approved vegan und Cradle to Cradle seien gute Siegel, hätten allerdings nicht so hohe Standards. Borkmann rät Käufern dazu, genau hinzuschauen, wer hinter den Zertifikaten und Marken steht.
Grüner Knopf erstes staatliches Siegel für Deutschland
Seit 2019 ist der Grüne Knopf das erste staatliche Siegel für nachhaltige Textilien. „Der Grüne Knopf stellt verbindliche Anforderungen, um Mensch und Umwelt zu schützen. Insgesamt müssen 46 anspruchsvolle Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden – von den Abwassergrenzwerten bis zum Zwangsarbeitsverbot“, schreibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Aber auch dieses Zertifikat decke nicht alle Aspekte ab: „Das Ziel sollte es sein, irgendwann ein Zertifikat zu haben, das soziale und nachhaltige Aspekte gleichermaßen abdeckt“, wünscht sich Borkmann.

