Oldenburg - Wie die gesamte Wirtschaft hat auch der Oldenburger Energieversorger und Telekommunikationsanbieter EWE Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Doch die Halbjahresbilanz, die am Donnerstag präsentiert wurde, kann sich sehen lassen: Es sei gelungen, die Geschäftsaktivitäten „stabil weiter zu führen und das Ergebnis unter dem Strich gegenüber dem Vorjahr zu steigern“, schrieb der Vorstand. Das so genannte Periodenergebnis – eine Bezeichnung für Gewinn – legte um 18 Prozent auf 135,9 Millionen Euro zu, obwohl der Umsatz um 3,9 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro sank.
Der Versorger gehört mehrheitlich insgesamt 21 Städten und Landkreisen im Gebiet zwischen Elbe und Ems – und damit im Prinzip den Menschen hier. Der Anteil dieser kommunalen Eigner (indirekt über den „EWE-Verband“/Oldenburg) beträgt 74 Prozent.
Neu ins Boot der Anteilseigner kam, wie Ende 2019 besiegelt wurde, der französische Infrastruktur-Investor Ardian. Er zahlte für 26 Prozent geschätzt mehr als 1,5 Milliarden Euro. Co-Investor ist indirekt der Versicherungsriese Talanx (Hannover).
„Durch konsequente und wirkungsvolle Gegensteuerungsmaßnahmen hat EWE die Einbußen durch die Corona-Krise und die Witterungseffekte durch den milden Winter ausgeglichen“, hieß es. Auch die Ausnutzung von Schwankungen am Gasmarkt habe dazu beigetragen, sowie einige weitere „temporäre Effekte“.
Die Jahres-Endbilanz wird allerdings wohl anders aussehen: Die genutzten „Einmal-Effekte“ des Halbjahres würden über das Gesamtjahr wieder ausgeglichen, schätzte EWE-Finanzvorstand Wolfgang Mücher. Zusätzlich bleibe die „Ungewissheit, wie sich die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Halbjahr zeigen wird“, meinte er. Man gehe mit Blick auf Corona-Folgen davon aus, „nicht alle Ergebniseinbußen vollständig kompensieren zu können“.
Zugleich ergäben sich aus der Krise „Chancen, die sich aus den veränderten Bedürfnissen ergeben“. Gemeint sind etwa „Telekommunikationsgeschäft oder Mobilitätsdienstleistungen“. Ein Blick auf die Segmente (Auswahl):
Erneuerbare Energien
Hier stieg der Umsatz um deutliche 12,8 Prozent auf 76,8 Millionen Euro. Motor waren hinzugekaufte Windparks sowie höhere Winderträge der eigenen Anlagen. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg auf 48,9 (vor einem Jahr: 35,3) Millionen Euro.
Infrastruktur
Der Segmentumsatz (unter anderem Netze) stieg um 2,5 Prozent auf 342,2 Mio. Euro. Der operative Betriebsgewinn wuchs auf 171,1 (168,7) Millionen Euro. Dazu trugen auch Mehreinnahmen aus einer Neuvermarktung von Erdgasspeichern bei.
Markt
Hier spürte EWE die absatzdrückende Corona-Phase wohl am stärksten: ein Umsatzminus von 6,1 Prozent auf 1,768 Milliarden Euro. Der Hauptgrund war das Stromgeschäft. Im Gasbereich wurden dagegen Marktpreisschwankungen ausgenutzt. So kam unter dem Strich gar ein höheres operatives Betriebsergebnis von 66,5 (65,8) Millionen Euro heraus.
Bremen
Bei der Versorger-Tochter SWB in Bremen ergab sich bei leicht weniger Umsatz (555,7 Millionen Euro) ein deutlich niedrigeres operatives Ebit von 18,4 (41,9) Millionen Euro. Dazu hätten „witterungs- sowie preisbedingte Rückgänge in der Gas- und Wärmesparte“ beigetragen.
BTC
Im Segment „Sonstiges“, zu dem unter anderem der IT-Dienstleister BTC (Oldenburg) gehört, musste EWE bei fast stabilem Umsatz (88,4 nach zuvor 91,8 Millionen Euro) einen Gewinneinbruch auf 2,1 (7,4) Millionen Euro hinnehmen.

