Hannover/Oldenburg - Nach dem Ausbruch einer hochansteckenden Vogelgrippe-Variante in den Niederlanden sind die niedersächsischen Geflügelhalter gewarnt. „Es ist allerhöchste Vorsicht geboten“, sagte der Geschäftsführer des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes in Oldenburg, Dieter Oltmann, am Montag. Höchstwahrscheinlich sei der aus Asien stammende Erreger des Typs H5N8 über Wildvögel nach Europa gekommen. Vor zwei Wochen war die Krankheit in einem Bestand in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochen. Auch aus Großbritannien wurde ein Fall von Vogelgrippe gemeldet.
Eine generelle Pflicht, die Tiere in die Ställe zu bringen, gebe es in Niedersachsen derzeit nicht. Die Landkreise könnten aber prüfen, ob die Stallpflicht notwendig und daher anzuordnen sei. „Dies sind für mich im Moment in erster Linie die grenznahen Landkreise, wegen des regen Tierverkehrs zu Holland, und die Küstenregion wegen des Wildvogelflugs“, sagte Oltmann. Der Vorsitzende des Verbandes, Friedrich-Otto Ripke, sagte, sein Verband habe diese Landkreise gebeten, eine Stallpflicht für Geflügel zu erlassen.
Außerdem sprach sich der Verbandsvorsitzende für ein „Wildgeflügel-Monitoring“ aus. Von Jägern geschossene Gänse oder Enten sollten von Behörden auf Erreger untersucht werden, um die Verbreitung beobachten zu können. Auch die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern halten eine Verbreitung des Virus über Wildvögel für möglich.
In Niedersachsen habe in den vergangenen Jahren vor allem wegen des Käfigverbots für Hühner die Freilandhaltung von Geflügel zugenommen, sagte Oltmann. Das gelte vor allem für das Emsland und den Weser-Ems-Raum. Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Geflügelproduzent in Deutschland.
Dagegen sagte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Klaus Jongebloed, das Virus sei bei Wildvögeln bislang noch nicht nachgewiesen worden. Daher sei es aus Sicht des Ministeriums noch nicht bewiesen, dass Wildvögel den Erreger übertragen haben. Die Krankheit sei in Mecklenburg-Vorpommern und den Niederlanden in hermetisch abgeriegelten Mastställen ausgebrochen. Die Niederländer setzten daher darauf, die Handelsbewegungen zu dem Stall zu untersuchen.
