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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Aus dem Oldenburger Land nach Sylt flüchten?

30.12.2017

Oldenburger Land Darauf hatten sicherlich schon viele gewartet: Seit wenigen Tagen kann man aus dem Oldenburger Land direkt auf die Insel der Schönen und Reichen fliegen – nach Sylt, in nur 35 Minuten! Am „Jade-Weser-Airport“ in Mariensiel (Friesland) starte die Marke „Yourways“ den regelmäßigen Linien-Flugbetrieb. Erste Geschäftsleute flogen bereits mit. Endlich wird hier eine weitere Lücke im Infrastruktur-Angebot der Region geschlossen.

Aber die Kuriositätensammlung 2017 der regionalen Wirtschaft bietet noch viel mehr. Eine kleine Auswahl:


  300 000 Liter Bier karrte die Firma Transport Bothe aus Berne (Wesermarsch) zum Rockfestival in Wacken.

 Bei der Bundesbank in Oldenburg fuhr eine Familie vor und zahlte mehr als eine Million in Pfennigen ein. Es war der Schatz des Opas.


 Ein Ex-Atombunker wurde in Bremen von einer findigen Firma zum gigantischen Datenspeicher umgebaut.

 41 Jungböcke aus dem Bestand des Landesschaftzuchtverbandes Weser-Ems traten die Reise nach Israel an. Die „ostfriesischen Milchschafe“ sollen mit einheimischen Tieren gekreuzt werden.

 Das Berliner Regierungsviertel findet man nun in Leer – auf der Modellbahn „Miniaturland“. Die Leeraner kauften eine komplette Berliner Anlage (200 Züge, Tausende Gebäude) von Oldenburger Brüdern hinzu.


 Salzwasser elektrisiert die EWE. Sie plant in Kavernen die größte Batterie der Welt.

 Gebohrt und immer weiter gebohrt hat die Oldenburger Ludwig-Freytag-Gruppe – stets knapp unter dem Erdboden entlang. Ergebnis war die weiteste Horizontalbohrung weltweit: 4600 Meter Leitung vom Land zur Insel Texel.

Jenseits solcher Kuriositäten lauert der Alltag: Die Wirtschaft im Oldenburger Land läuft auf Hochtouren – fast schon selbstverständlich. Dies gilt für Handwerk, Industrie und auch Teile des Handels sowie der Landwirtschaft gleichermaßen: „Schweinepreis geradezu explodiert“, hieß es im Sommer auf der Wirtschaftsseite.

Fachkräfte werden zum Engpassfaktor. Weite Teile des Arbeitsmarktes sind wie leergefegt, auch die Arbeitslosenquoten in Kreisen wie Oldenburg oder Ammerland haben längst eine sensationelle „3“ vor dem Komma. Allein im Oldenburger Land sank die Zahl der Arbeitslosen (per Ende November) im Jahresverlauf um 1922 auf 31 534. Der günstige Trend der Vorjahre setzt sich also fort. Regionale Unternehmen stellten mehr neue Lehrlinge ein (IHK-Bereich: plus 2,7 Prozent, Handwerkskammer: plus 1,9 Prozent). Immer mehr Betriebe suchen Nachwuchs in bisher benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Auch einige Hundert Flüchtlinge bekamen in der Region eine Chance – besonders das Handwerk engagiert sich. Auch Weiterbildung wurde zum Mega-Thema: Nie zuvor gab es im Oldenburger Land mehr Veranstaltungen zum Thema „4.0“ und Digitalisierung.

Zehn Jahre nach der großen Finanzkrise (Lehman-Pleite) sind die Bilanzen des regionalen Mittelstandes wohl stärker als je zuvor, wie Creditreform in Oldenburg und Leer ermittelte: Viele Betrieb strotzen vor Kraft, die Zahl der Pleiten (minus 6,1 Prozent im Halbjahr) sinkt.

Dennoch verändert sich die Unternehmenslandschaft. Die Bremer Landesbank geht in der NordLB auf. Die OLB wird vom Großaktionär Allianz an die Bremer Kreditbank weitergegeben. Auch Familienunternehmen – wie fm Büromöbel (Bösel) – kommen in neue Hände.

Stabil stehen die Eigentümer dagegen zum größten Unternehmen weit und breit – zur EWE. Doch hier stolperte der Vorstandsvorsitzende Matthias Brückmann über eine Spenden-Affäre. Der ganze Konzern rutschte in eine (Führungs-) Krise. Interessanteste gemeldete Personalie 2017 ist deshalb Stefan Dohler: Der bisherige Vattenfall-Finanzvorstand tritt in Kürze als neuer EWE-Chef an. EWE soll wieder in die Offensive gehen.

Viele Firmen sind schon dabei. 2017 spürten die IHK und Banken ein Ende der jahrelangen Zurückhaltung bei den Investitionen. Den Auftakt machte 2017 Nordfrost – mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag am Jade-Weser-Port. Dutzende weitere regionale Firmen kündigten Millionenprojekte an.

Doch zwischen Jubel und Traurigkeit liegen nur wenige Kilometer. Zu Ende geht das Jahr nämlich mit einem prominenten „Aus“ in der Wesermarsch: Beim Rotorblattspezialisten Carbon Rotec in Lemwerder verlieren mehr als 400 Menschen ihren Arbeitsplatz! Oder: Obwohl es immer mehr Erwerbstätige gibt, haben viele Haushalte Probleme – im Oldenburger Land sind zehn Prozent überschuldet, ermittelte Creditreform. Solche Details gehen in der Vielzahl der Positiv-Meldungen leicht unter, wenn es etwa – wie kurz vor diesen Jahresende – heißt: „Wirtschaft in Region mächtig unter Dampf“.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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