Gristede - „Der Grünkohl braucht Kälte, dann schmeckt er besser“, sagt Johanna Eyting. Schon ein Temperaturabfall auf zwei bis drei Grad plus reicht aus: Dann stellt die Pflanze ihren Stoffwechsel ein, verwandelt Stärke in Zucker und lagert den dann ein. „Dann schmeckt er am Besten“, weiß die Gristederin. Gemeinsam mit ihrem Mann Arnd bewirtschaftet sie den Eytje-Hof an der Gristeder Straße, den es bereits seit 1428 gibt. Und hat auch in der gerade auf Hochtouren laufenden Saison wieder Grünkohl frisch vom Feld im Angebot – zum Verkauf ausschließlich an Privatkunden.
Erst Anfang November 2013 waren die Temperaturen so niedrig, dass auf dem Eytje-Hof der erste Grünkohl der Saison geerntet werden konnte – gezogen auf einem Hektar Anbaufläche, die bereits Ende Juni mit Grünkohl-Jungpflanzen bestückt wurde. „Nur drei auf einen Quadratmeter, denn der Grünkohl benötigt Platz“, weiß die Gristederin. Die Grünkohl-Jungpflanzen, die erst noch zur „Oldenburger Palme“ heranwachsen müssen, werden in Höltinghausen eingekauft, wo sie aus Grünkohlsamen gezogen werden. Auf dem Feld in Gristede schützen dann Netze die Pflanzen vor dem Kohlweisling, der seine Eier gern auf allerlei Kohlarten ablegt und dessen Raupen sich dann hungrig über die Pflanzen hermachen. Auch eine Läuseart setzt dem Kohl zu, wird aber nicht bekämpft. „Gespritzt wird der Grünkohl bei uns nicht“, sagt Johanna Eyting. Dafür muss er als so genannter „Starkzehrer“ ordentlich gedüngt werden. Und Unkrauthacken im Grünkohlfeld ist regelmäßige Knochenarbeit bis in den Herbst hinein.
Nun – da die Saison längst läuft – geht so mancher Strunk im Verkauf auch als Dekoration etwa für den Bollerwagen bei Kohlfahrten über den Tresen, erzählt Johanna Eyting. Und als Eintopf in Gläsern wird er weiterverarbeitet ebenfalls ab Hof verkauft. Und da sich Grünkohl gut einfrieren lässt, werden von privat durchaus größere Mengen gekauft – auch, weil die Zubereitung sehr aufwendig ist und sich für nur eine Mahlzeit nicht wirklich lohnt.
Grünkohl ist jedoch lediglich ein Baustein in der Produktpalette des Hofes. „Noch bis 2002 konnten wir vom Verkauf ausschließlich von Urprodukten gut leben, haben auch die Gastronomie bedient“, weiß die Gristederin. Dann wurde es schlechter, die Kühlschiene wurde zum größten Konkurrenten. Der Hof, der seit 1988 direkt vermarktet, ging zunehmend dazu über, seine Produkte weiterverarbeitet anzubieten. „Die Leute hatten immer weniger Zeit, selbst zu kochen“, macht Johanna Eyting eine Entwicklung aus, die noch nicht beendet ist und auch dem Eytje-Hof andere Einnahmequellen erschließt.
Die Grünkohlsaison wird wie in jedem Jahr bis Gründonnerstag laufen, dann ist’s aus mit dem frischen Wintergemüse mit hohem Vitamin-C-Gehalt, dass in jedem Winterhalbjahr auch Scharen von Kohlfahrern liebstes Gericht ist und im Bremer Raum Braunkohl heißt.
Johanna Eyting hat übrigens auch roten Grünkohl gepflanzt. „Aber nur für Dekozwecke – auch wenn er essbar ist“, lacht die Gristederin.
