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Prozess Oldenburger soll Millionenbetrüger sein

Anita Hirschbeck Frank Christiansen

Düsseldorf/Oldenburg - Der Zugriff erfolgte Ende November vorigen Jahres: Polizisten nahmen als Teil einer bundesweiten Aktion einen 66-Jährigen in dessen Büro in Ofenerdiek fest (NWZ  berichtete). Seitdem sitzt der Mann mit zwei weiteren mutmaßlichen Drahtziehern der Firma Business Capital Investors (BCI) in Untersuchungshaft.

Altersvorsorge verloren

Am Dienstag hat in Düsseldorf der Prozess gegen insgesamt zehn Angeklagte begonnen, die bundesweit 1700 Anleger um rund 60 Millionen Euro betrogen haben sollen. Unter den Angeklagten ist nicht nur der inzwischen 67 Jahre alte Oldenburger, sondern auch seine Töchter (39 und 44 Jahre alt), denen Beihilfe zum Betrug vorgeworfen wird.

Eine der Betroffenen ist Inge L. (70, Name geändert). Sie sollte 15,5 Prozent Rendite als stille Gesellschafterin der Firma Business Capital Investors erhalten. Die Düsseldorferin unterschrieb. Sie habe BCI ihre gesamte Altersversorgung anvertraut, erzählt die einstige Freiberuflerin – 300 000 Euro. Heute lebe sie von einer Minirente. Andere Geschädigte verschuldeten sich und verpfändeten ihre Häuser, um Geld bei BCI anzulegen, einer Firma mit Sitz in New York und Panama, berichtet die Staatsanwaltschaft.

Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe geben sich die Hauptangeklagten im Gerichtssaal betont gelassen, lutschen Bonbons und zeigen sich immer wieder amüsiert. Inge L. beobachtet sie von den Zuschauerbänken aus. Ihr ist nicht zum Lachen.

Schneeball-System

Laut Anklageschrift bauten die Beschuldigten ein weit verzweigtes Netz verschiedener Firmen und Konten im In- und Ausland auf. Kunden seien mit Renditeversprechen zwischen 15,5 und in Einzelfällen sogar 100 Prozent gelockt worden – angeblich für Finanzgeschäfte unter der Führung der hochseriösen US-Notenbank Fed.


Doch als die anfänglichen Renditezahlungen ausbleiben und sich Staatsanwälte und Finanzermittler des Falls annehmen, können sie überhaupt keine renditeträchtigen Geschäfte feststellen. Sie stoßen vielmehr auf ein klassisches Schneeballsystem.

In der Schweiz ist ein Parallelverfahren mit weiteren Geschädigten anhängig. Dort sind 13 Millionen Euro eingefroren. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft konnte außerdem eine Luxusyacht beschlagnahmen, die in einem Hafen der Karibikinsel Curaçao dümpelt. Der Rest des Geldes ist für die Ermittler unauffindbar. Neben den anfänglichen Ausschüttungen sei das Geld in Provisionen versickert und an die Beschuldigten geflossen. Als „Präsident“ der BCI fungierte ein 55-jähriger Kanadier, der der Verhandlung fernblieb. Er könne sich die Kosten für Pass und Reise nicht leisten, ließ er über Anwälte mitteilen. Sein Fall wurde daraufhin vom Gericht abgetrennt.

Vor knapp einem Jahr waren 120 Ermittler zu einer groß angelegten Razzia in mehreren Ländern ausgerückt. Zuvor hätten sie ein Jahr lang die Telefone zahlreicher Verdächtiger abgehört, berichtet Staatsanwältin Petra Szczeponik. Die meisten Beschuldigten hätten bislang geschwiegen oder ihre persönliche Schuld bestritten. Auch seien nicht alle damaligen Anlagevermittler in den Betrug verstrickt – einige hätten sogar selbst privates Geld investiert und verloren.

Bis zu zehn Jahre Haft

Den Hauptbeschuldigten drohen für schweren Betrug bis zu zehn Jahre Haft. Das Gericht hat bis Dezember 16 Verhandlungstage angesetzt. Ob Inge L. von ihrem Geld etwas wiedersieht, wird nicht im Strafprozess entschieden. Sie muss ihre Ansprüche gegen die Verantwortlichen selbst einklagen.

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