Oldenburg - Eigentlich sollte es ja um kommunale Strategien zur Energiewende gehen. Doch wer derzeit bei Maischberger, Illner und Co. ständig vor der Kamera über Bundespolitik diskutiert, lässt sich natürlich nur ganz kurz bitten, auch die großen Thesen ins Publikum zu werfen. Boris Palmer, Grüner Oberbürgermeister von Tübingen, sprach am Mittwochabend im Schlauen Haus also auch über bundesweite Energiepolitik.

Die Große Koalition, von deren Bildung er ausgeht, sei „für die Energiewende eine deutlich schlechtere Konstellation“, findet Palmer. Schwarz-Rot nannte er eine „Kohle-Kohle-Regierung“, die den Ausbau der erneuerbaren Energien bremsen werde, auch um die Gewinne der großen Energiekonzerne nicht zu gefährden. Immerhin glaube er nicht an einen Rückschritt bei der Unterstützung von Bürger-Energieprojekten.

Diese hätten sich schon zu sehr auch in den Wählerschichten von Union und SPD etabliert.

Eigentliches Thema dieser ersten Ringvorlesung zur Reihe „Herausforderung Energiewende“ des Fachbereichs Wirtschaft an der Jade Hochschule waren kommunale Umsetzungsstrategien. Hier ist ein Allheilmittel noch nicht gefunden. „Schließlich geht es nicht mehr und nicht weniger als um den kompletten Umbau des Energiesystems“, leitete Dekan Prof. Dr. Gerd Hilligweg den Abend vor rund 70 Zuhörern ein.

Tübingen gilt mit seinem OB derzeit als ein Vorbild für kommunalen Klimaschutz. Palmer präsentierte eine lange Liste von Maßnahmen auf dem Weg zum großen Ziel 2020: drei Jahrestonnen CO 2 pro Einwohner. Derzeit liege der Wert bei mehr als sechs Tonnen. Hohe Investitionen in Gebäudesanierung, ein verbessertes kommunales Energiemanagement oder auch provokative Werbung für Ökostrom bei den Stadtwerken sollen Abhilfe schaffen.


Das alles läuft in der baden-württembergischen Stadt unter dem Konzept „Tübingen macht blau“. Der mehrdeutige Titel habe seinen Sinn, so Palmer, denn diese Arbeit müsse Spaß machen und dürfe auch mal witzig sein, wenn man die Menschen mit ins Boot holen wolle. Zudem müsse es sich rechnen. „Klimaschutzpolitik macht man nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit erhobenem Rechenschieber.“

Einwände aus dem Publikum, dass das finanziell deutlich besser gestellte Tübingen einen Vorteil gegenüber dem verschuldeten Oldenburg habe, ließ der Redner nicht gelten. „Gerade für eine Stadt, die kein Geld hat, ist es wichtig dafür zu sorgen, dass man künftig nicht so viel für Unnötiges ausgibt.“

Nächster Teil der Ringvorlesung ist eine Filmvorführung mit Diskussion am Mittwoch, 16. Oktober, ab 15 Uhr im Casablanca-Kino. Zu Gast ist der Leiter der ZDF-Umweltredaktion Volker Angres. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter Tel. 0 44 21/9 85 29 45 oder joerg.brunssen@jade-hs.de.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)