Emden - Einen grundlegenden Umbau soll es geben, um den Wolfsburger Automobilkonzern Volkswagen fit für die Zukunft zu machen. Dabei dominierte vor allem eine Nachricht in den vergangenen Tagen die Schlagzeilen: Stellenabbau.
Elektromobilität, Umqualifizierung, Spezialisierung, Werksauslastung, Absatzzahlen – all das spielt auch im VW-Werk in Emden eine große Rolle, und natürlich der Zukunftspakt. In Ostfriesland sieht man ihn als Chance, weiß aber auch, „dass es harte Arbeit werden wird, und wir heute noch nicht wissen, was in einigen Jahren sein wird. Wir sind aber zuversichtlich“, sagte Werkleiter Andreas Dick am Dienstag in Emden.
Um künftig zu bestehen, „müssen wir die Produktivität erhöhen und den Altersdurchschnitt senken“, sagte Dick. Zentrale Säule sei daher die freiwillige Altersteilzeit. „Wir hoffen, dass ältere Mitarbeiter das Angebot annehmen, um auch Jüngeren die Chance auf einen Arbeitsplatz zu geben“, sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Jacobs.
Das Durchschnittsalter im Emder VW-Werk (zurzeit circa 9600 Beschäftigte) liegt bei etwa 45 Jahren. „Es gibt bei uns eine dreistellige Zahl Beschäftigter, die in den kommenden Jahren das Angebot der Altersteilzeit nutzen könnten“, sagte Jacobs. Man wolle jüngere Kollegen aber so gut qualifizieren, dass durch die Altersteilzeit keine Know-how-Lücke entstehe, erklärte Dick.
Die 300 Leiharbeitskräfte, die im nächsten Jahr abgebaut werden sollen, könnten am VW-Standort in Osnabrück untergebracht werden, sagte Jacobs. Im kommenden Jahr erwarte man dank zusätzlicher Passat-Aufträge die Produktion von 250 000 Autos anstelle von 220 000, sagte Dick.
Ein weiterer Baustein sei die Qualifizierung der Mitarbeiter für neue Aufgabenbereiche, gerade mit Blick auf die Elektromobilität. „In Elektroautos wird es weniger Bauteile geben als in Wagen mit Verbrennungsmotor. Man braucht beispielsweise kein Getriebe. Das kann man beispielsweise damit ausgleichen, indem man mehr Motoren produziert“, sagte Dick. Das gelte aber nicht für das Emder Werk, da es ein Montagestandort ist.
Dick sprach von einer „einmaligen Umbruchphase in der Automobilindustrie“. Neue Wettbewerber wie Google drängten in den Markt für E-Autos. Gleichwohl müsse man Verbrennungsmotoren weiterentwickeln, da diese auch in den nächsten Jahren noch einen Großteil der Fahrzeuge auf den Straßen ausmachten, erklärte Jacobs. Für Emden sei es das oberste Ziel, die langfristige Werksauslastung durch wettbewerbsfähige Modelle zu gewährleisten. Daher habe man kürzlich viel Geld in einen neuen Karosseriebau investiert, ab 2019 soll Emden das seit Langem ersehnte vierte Modell erhalten.
