OSNABRüCK - OSNABRÜCK/DPA - Aus Protest gegen geplante Entlassungen bei Europas größtem Cabriobauer Karmann sind gestern über tausend Beschäftigte in die Innenstadt von Osnabrück gezogen. Im Werk arbeiten rund 5300 Menschen.

Der Osnabrücker IG-Metall-Sekretär Hartmut Riemann sagte, das Unternehmen habe bislang keine Zahlen über den geplanten Arbeitsplatzabbau genannt. „Es kursiert die Zahl 1000“, sagte er. Die komplette Schicht habe bei Karmann die Arbeit niedergelegt.

Die Mitarbeiter kehrten nach einer Informationsveranstaltung der IG Metall in der Frühstückspause nicht mehr an die Arbeitsplätze zurück und legten die Arbeit nieder. Auf Spruchbändern forderten sie u.a.: „Zukunft für Karmann – Zukunft für soziale Interessen“ und „Arbeitsplätze bei Karmann schützen, heißt der Region zu nützen“.

Viele Menschen verbinden mit Karmann vor allem den Karmann Ghia, der elegante Zweisitzer auf Käfer-Basis. 2005 feierte Karmann das Jubiläum „50 Jahre Ghia“. Das Unternehmen machte sich auch als Hersteller des Käfer Cabrio einen Namen. Und bis heute profitiert die Wilhelm Karmann GmbH vom Trend zum offenen Auto, erwartete nach einem Rekordjahr 2004 aber bereits für 2005 sinkende Produktionszahlen. Diese sind bisher noch nicht vorgelegt worden.

2004 stellte Karmann mehr als 94 000 Fahrzeuge der Modelle Audi A4, Mercedes-Benz CLK und Chrysler Crossfire her, prognostiziert waren 80 000. Im vergangenen Jahr dagegen sollte die Produktion analog zum Lebenszyklus der Modelle stagnieren oder sogar sinken.


Karmann strich rund 1000 Arbeitsplätze. Der Umsatz der Gruppe stieg 2004 um 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, der Rohertrag lag bei knapp 30 Prozent der Gesamtleistung. Karmann (insgesamt 8000 Mitarbeiter) stellt zudem Verdecke und Dachsysteme her und ist dort nach Angaben von Sprecher Christian Eick „ganz gut bis sehr gut ausgelastet“.