OSNABRüCK -

Von Elmar Stephan

OSNABRÜCK - Die Beschäftigten des Cabrio-Bauers Karmann haben Angst um ihre Zukunft. Mehr als 2000 Mitarbeiter – der Betriebsratsvorsitzende Harald Klausing sprach sogar von 3000 – haben am Dienstagvormittag ihren Arbeitsplatz am Stammsitz Osnabrück verlassen und sind vom Werkshaupttor in einer symbolkräftigen Demonstration durch die Stadt zum Arbeitsamt gezogen. Wie es aussieht, sollen im Sommer mehr als 1000 Karmänner ihren Job verlieren. „1100 plus X“, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Hartmut Riemann.

Anlass für den Stellenabbau ist vor allem der stockende Absatz des Cabrio-Modells Chrysler Crossfire, den Daimler-Chrysler in Osnabrück bauen lässt. Bereits im vergangenen Jahr wurden 1500 Zeitarbeitsverträge nicht verlängert, für den Rest der Beschäftigten einigten sich Geschäftsführung und Betriebsrat auf eine „Beschäftigungsbrücke“. Dank Kurzarbeit sind die Jobs bis Ende Juni 2006 gesichert. Nun droht ein Stellenabbau.

„Jetzt kann es alle treffen, nicht mehr nur die Jungen“, sagte eine 46 Jahre alte Frau, die seit 28 Jahren in der Fahrzeugmontage bei Karmann arbeitet. „Ein Jahr Arbeitslosengeld, danach Hartz IV – und dann?“, fragte sie. In der Belegschaft sei die Stimmung extrem schlecht.

Eine weitere Nachricht hat die Belegschaft zusätzlich alarmiert. An diesem Mittwoch werde die Geschäftsführung über einen neuen Standort für die Verdeckproduktion entscheiden. Der liegt in Polen. „Wie sollen deutsche und Osnabrücker Arbeitnehmer gegen polnische Löhne von 450 Euro anstinken können?“, fragte Klausing unter dem Beifall seiner Zuhörer.

Karmann-Sprecher Christian Eick sah die Lage weniger dramatisch. Derzeit führe die Geschäftsleitung Gespräche mit Kunden, um Kompensations- und Anschlussproduktionen in der Fahrzeugfertigung zu gewinnen. Sollte das gelingen, seien auch keine Arbeitsplätze in Gefahr. „Als gute Kaufleute müssen wir auch für den Fall planen, dass es keine rechtzeitige Anschlussproduktion gibt“, sagte Eick. Den Mitarbeitern sei also nur vorsorglich mitgeteilt worden, dass es im Sommer zum Arbeitsplatzabbau kommen könnte.


Riemann und Klausing bringen solchen Äußerungen derzeit wenig Vertrauen entgegen. Sie befürchten eine „Salamitaktik“: Jedes Jahr könnten erneut Arbeitsplätze verloren gehen. Eines ist jedenfalls sicher: „Das war bestimmt nicht die letzte Demonstration bei Karmann bis zum Sommer“, sagte ein Mitarbeiter grimmig.