OSNABRüCK - OSNABRÜCK - Für viele Osnabrücker war der zweite Advent weniger beschaulich als gewohnt. 4000 Menschen mussten gestern Morgen ihre Wohnungen räumen. Schuld war ein fünf Zentner schwerer Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen legten die US-Fliegerbombe auf einem Industrie-Brache-Gelände in der Nähe des Osnabrücker Bahnhofes frei. Am frühen Nachmittag kam die Entwarnung. Der Blindgänger war unschädlich gemacht – gesprengt in einem Steinbruch am Stadtrand.
Für die meisten Menschen in Osnabrück war die Bergungsaktion reine Routine. Rund 125 Bomben hat der Räumdienst in den vergangenen fünf Jahren in Osnabrück geborgen. Seit dem Jahr 2000 suchen die Bombenexperten das Stadtgebiet systematisch nach Blindgängern ab. Für die Osnabrücker bedeutet das: alle paar Wochen eine neue Bombenentschärfung.
180 Menschen sind in die zum Evakuierungszentrum umfunktionierte Schule gekommen, vorwiegend Ältere. „Die meisten Leute fahren aber zu Verwandten und Bekannten oder gehen einfach nur spazieren“, sagt Markus Gehle, Leiter der Evakuierungsstation. Probleme habe es bei der Räumung der Gefahrenzone kaum gegeben. 9000 Menschen sollten ursprünglich ihre Häuser verlassen. Am Ende waren es nur 4000, weil die Bombe kleiner war als zunächst vermutet.
Einige der Bewohner wurden mit Krankentransportern abgeholt, andere kamen mit Shuttle-Bussen. 820 Helfer von Polizei, Feuerwehr und Hilfsdiensten waren im Einsatz. Auch ein Altenheim lag im Evakuierungsbereich und musste komplett geräumt werden. Gerade für ältere Menschen sei die Bergung einer Bombe besonders aufregend, erzählen die Hilfskräfte. „Den Generationen, die den Krieg mitgemacht haben, ist viel realer vor Augen, was eine Bombe ist. Da kommen oft Erinnerungen und Ängste auf“, sagt Karl Heinz Scheidemann vom Roten Kreuz.
Etwas Routine hat sich auch bei Sprengmeister Thomas Gesk eingestellt. 570 Bomben hat er in seinem Berufsleben schon entschärft oder gesprengt. Die Liste der verdächtigen Punkte in Osnabrück sei noch lang, sagt er: „15 Jahre wird es bestimmt noch dauern, bis wir hier alle Bomben geborgen haben.“
Wegen der Entschärfung musste der Hauptbahnhof Osnabrück zeitweise für Züge gesperrt werden. Ein Zug aus Oldenburg endete deshalb in Bramsche. Die Reisenden konnten mit Bussen nach Osnabrück fahren. Eine Fahrt in Richtung Oldenburg/Wilhemshaven musste ausfallen.
