OSNABRüCK - Die Grundlagen für gesunde Ernährung müssen nach Auffassung der prominenten Fernsehköchin Sarah Wiener bereits im Kindergarten vermittelt werden. Schon Kinder erkrankten an Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck, sagte Wiener am Montag in Osnabrück.
Deshalb sollten Erzieherinnen sie in Kindertagesstätten künftig an die vielfältigen Möglichkeiten des Kochens gesunder Speisen heranführen. Wer kocht denn manchmal mit der Mama oder dem Papa?, war ihre erste Frage an die Kindergartenkinder, die in den Räumen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit ihr zusammen das Projekt Ernährungs-Botschafter starteten.
Ziemlich viele Arme der Fünf- und Sechsjährigen gingen in die Höhe. Doch in immer mehr Familien werde das Kochen vernachlässigt, sagte die 48-Jährige. Fertigprodukte würden immer beliebter. Gemeinsam mit Finja, Cagla und Amelie vom St.Marien-Kindergarten Melle schnitt die Fernsehköchin Tomaten. Mit David und Amanda vom St.Barbara Kindergarten aus Osnabrück quetschte sie Spätzle-Teig durch die Presse. Zuvor hatte sie sich und den Generalsekretär der Umweltstiftung, Fritz Brickwedde, kurz und bündig vorgestellt: Ich bin die Sarah und das ist der Fritz. Und wir kochen jetzt mal mit Euch.
Bei dem Projekt sollen angehende und bereits aktive Erzieherinnen mit Hilfe der von ihr gegründeten Sarah Wiener Stiftung bundesweit aus- und fortgebildet werden. Gertrud Timmer und Veronika Kobilke von der Berufsbildenden Schule Melle bestätigten, dass immer mehr angehende Erzieherinnen von gesunder Ernährung wenig Ahnung hätten. Da sind Null Vorkenntnisse. Die kommen selbst mit Eistee und Schokobrötchen für die Pause zur Schule. Wie sollen sie dann den Kindern erklären, dass Wasser und Käsebrote viel besser sind?
Sarah Wiener testete derweil ihre kleinen Kochlehrlinge. Möhren und Tomaten kannten alle. Beim Knoblauch tippten einige auf Zwiebeln. Beim Chicoree wusste keiner so recht Bescheid. Auch der bitter-süße Geschmack der Blätter überzeugte die meisten nicht. Kinder müssten verschiedene Geschmäcker und Genüsse erst kennenlernen, erläuterte die Köchin: Sie sollen merken, dass die Welt nicht nur aus Pizza und Burgern besteht.
Erzieherinnen sollten demnächst einen Gegenpol zu den von der Industrie propagierten Fertigprodukten mit viel Fett und Zucker setzen können.
Auch den Spaß an der Zubereitung könne man lernen, betonte die Köchin und konnte sich der vielen helfenden Hände rund um den Kochtopf kaum erwehren. Kinder lieben es, selbst kreativ zu sein. Und ich habe noch nie ein Kind erlebt, das das eigene Werk nicht isst. Dabei gehe es ihr nicht nur um das Thema Gesundheit. Für sie habe das Kochen auch einen philosophischen Aspekt: Es ist das älteste und wichtigste Kulturgut der Menschen. Und das darf nicht verloren gehen.
Die Bundesstiftung Umwelt unterstützt die Initiative mit 125.000 Euro. Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung wirke sich auch positiv auf die biologische Vielfalt von Pflanzen und Tieren aus, sagte Brickwedde. Auch die Energiebilanz sei deutlich besser, wenn man auf regionale und saisonale Produkte setze.
