Osnabrück - Phosphor ist eine unersetzbare Chemikalie – aber sowohl die Gewinnung als auch der Gebrauch hat massive negative Umweltfolgen. Aus diesem Grund habe die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in jüngster Zeit eine Reihe von Forschungsvorhaben gefördert, die das Recycling von Phosphor aus Klärschlamm und Gülle ermöglichen, sagte am Dienstag der Generalsekretär der Bundesstiftung, Alexander Bonde, in Osnabrück. Pflanzenwachstum sei ohne einen funktionierenden Phosphorhaushalt nicht vorstellbar, aber der Abbau habe gravierende Umweltauswirkungen.
„Es gibt auch die Problematik, dass sein übermäßiger Gebrauch Böden und Gewässer schädigen kann“, sagte Bonde. Die Wiedergewinnung von Phosphor sei daher wichtig, weil sonst die Gefahr drohe, eine von internationalen Experten definierte Belastungsgrenze des weltweiten Ökosystems zu überschreiten.
„Phosphor ist essenziell und nicht ersetzbar“, sagte DBU-Experte Max Hempel. Der Rohstoff wird im Tagebau abgebaut, vor allem in Ländern mit politisch schwieriger Lage, etwa in Nordafrika, woher die deutschen Phosphor-Importe stammen. Über die menschliche Nahrung lande ein großer Teil des Phosphors im Klärschlamm, kann aber ohne Aufbereitung nicht für die Landwirtschaft genutzt werden. Wegen der hohen Konzentration sei vor allem das Recycling von Klärschlamm und Tier- und Knochenmehl interessant.
Insgesamt förderte die DBU in den vergangenen zehn Jahren 23 Phosphor-Recycling-Projekte mit knapp vier Millionen Euro. Darunter befindet sich ein Kooperationsprojekt zwischen der Fachhochschule Münster in Steinfurt und einem Maschinenbauunternehmen aus Löningen (Kreis Cloppenburg), die ein Verfahren entwickelten, Gülle oder Hühnerkot zu verkaufsfertigem Dünger zu recyceln. Das biete die Möglichkeit, überdüngte Gebiete in Gegenden mit intensiver Tierhaltung zu entlasten. Ein anderes Projekt der Technischen Universität Hamburg-Harburg und der Firma Ökoservice im baden-württembergischen Denkendorf beschäftigt sich mit der Rückgewinnung von Phosphor aus menschlichen Rückständen.
Weil recycelter Phosphor noch spürbar teurer ist als natürlich abgebauter, biete sich zunächst der ökologische Landbau als erster Abnehmer für diese Produkte an, sagte Hempel.
Finanziell steht die DBU trotz steigender Inflation und schwierigen Finanzmärkten gut da. Das Vermögen stieg von 2,19 auf 2,24 Milliarden Euro. Aus der Vermögensanlage wurde ein Gewinn von 123,5 Millionen Euro gemacht, das waren 20 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und das zweitbeste Resultat der vergangenen zehn Jahre.
51,4 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr an Förderprojekte ausgezahlt. In diesem Jahr betrage die Förderhöhe wahrscheinlich 55 Millionen Euro, sagte Stiftungs-Finanzchef Michael Dittrich.
