OSNABRüCK - Nein, das geht Osnabrücks Stadtoberhaupt Boris Pistorius dann doch ein bisschen zu weit. Ein „Oberbürgermeisterchen“ möchte er durchaus nicht sein. Diese Anrede findet er weder lustig noch originell – und das, obwohl Osnabrück gerade eine Werbekampagne gestartet hat, in der tüchtig mit Verniedlichungen kokettiert wird.

„Willkommen im Weltstädtchen“, heißt es da, das Rathaus wurde zum „Capitölchen“, die Fußgängerzone zum „Kurfürstendämmchen“, das Theater zum „Scalalein“, das Heger Tor zum „Brandenburger Törchen“ – außerdem gibt es noch ein „Canal Grandchen“, ein „Petersdömchen“ ein „Sphinxchen“ und ein „Hexenkesselchen“, in dem der VfL Fußball spielt.

Die Kampagne unter dem Oberbegriff „Herrlich ehrlich“ soll zwar Aufmerksamkeit erregen – aber bitte auf keinen Fall eine Verniedlichung darstellen. Schließlich ist der Osnabrücker stolz auf seine Stadt und selbstbewusst. „Wir haben immerhin alles, was große Städte auch haben: historische Gebäude, namhafte Firmen – aber eben alles eine Nummer kleiner“, meint Osnabrücks Tourismus- und Marketingchef Oliver Mix gegenüber dieser Zeitung.

Selbstverständlich muss das mit der Aufmerksamkeit seine Grenzchen haben, denn sonst würde vielleicht jemand auf das Ideechen kommen, ein wenig Spöttlein über der Stadt auszuschütten.

Nein, nein – in der immer schärfer werdenden Konkurrenz der Städte möchte Osnabrück als ungewöhnlich wahrgenommen, aber bitte nicht als „Kleinchen“ verspottet werden. Mix: „Wir können über uns selbst lachen, nehmen das aber dennoch ernst.“


Entstanden war die vor knapp zwei Wochen gestartete Kampagne aus einem Wettbewerb für Werbeagenturen. Die Absicht ist, „auf (ein)schlagende Weise wirtschaftliche Potenz zu zeigen“. Die Finanzierung teilen sich Stadt und Privatwirtschaft je zur Hälfte.

Die Gesamtkosten für alle Maßnahmen betragen übrigens die Kleinigkeit von 280 000 Eurochen.