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Rumänienhilfe Kinderlachen belohnt engagierte Helfer

OSTERNBURG - Der Nikolaus wohnt in Oldenburg. Davon sind die Kinder im Caritas-Tagungszentrum von Satu Mare fest überzeugt. „Und er kommt mit dem Lastwagen zu uns – jedes Jahr.“ Mit vielen Geschenken für die Kinder, mit Sach- und Lebensmittelspenden ist der Verein Rumänienhilfe Oldenburg-Rastede im Dezember wieder einmal nach Satu Mare, Rumäniens nordwestlichste Großstadt (rund 130 000 Einwohner) dicht an der Grenze zu Ungarn, gereist. Das, was die Vorsitzende Inge Reckow und sechs weitere Vereinsmitglieder hier erlebt haben, hat sie betroffen gemacht. „Im Moment hat sich die wirtschaftliche Lage schlimm verschlechtert. Es mutet an wie vor 20 Jahren. Ein Rückschritt ist zu sehen“, sagt die 64-jährige Kreyenbrückerin.

Zuhause im Elend

In den Einrichtungen der Caritas Satu Mare, die die Rumänienhilfe Oldenburg-Rastede mit den Spenden (gesammelt auch in Schulen und Kindertagesstätten in Oldenburg und Umgebung) unterstützt, geht es den Kindern gut. Aber hier verbringen sie nur einen Teil des Tages. Das Elend erleben sie in ihrem Zuhause. So zum Beispiel der zwölfjährige Bogár Tibike. Zusammen mit seinem Bruder Józiska (9) besucht er den Schülerhort – beide sind Roma. Mit ihren Eltern und einem weiteren Bruder leben sie am Rande eine ehemaligen Mülldeponie in Bretterhütten. Ihr Vater (40) leidet an Muskelschwund. Die Mutter versucht im Sommer als Tagelöhnerin etwas Geld zu verdienen. Wenn es überhaupt kein Essen mehr gibt, geht sie selbst oder schickt ihre Kinder zum Betteln. Eine große Bedrohung sind zurzeit die sich immer mehr verbreitenden Ratten.

Inge Reckow war entsetzt, als sie hörte, dass ein Kind von einer Ratte gebissen wurde. Und sie erinnert sich zurück an die Zeit vor 20 Jahren. 1991 hatte ihr Mann Dieter Reckow (er ist im Jahr 2000 verstorben) die erste Bekleidungsaktion in Satu Mare gestartet. Er sei so entsetzt von den Zuständen dort gewesen, dass er nach seiner Rückkehr drei Wochen lang nicht darüber habe reden können. Dieter Reckow gründete danach die Rumänienhilfe, die seit 1994 ein eingetragener Verein ist.

Ärmste Gegend

Gemeinsam mit der 1989 gegründeten Caritas Rumänien hat die Rumänienhilfe im Laufe der Zeit 60 Einrichtungen in 15 Dörfern und Städten errichtet. Man setzt sich aber nicht nur für Kinder ein. Auch Behinderteneinrichtungen, Seniorenclubs, Tagesstätten, Armenküchen, Ärztehäuser und Apotheken sowie eine Poliklinik werden von dem Verein unterstützt. „Satu Mare ist die ärmste Gegend in Rumänien, mit der höchsten Arbeitslosigkeit“, erzählt Inge Reckow. Und sie musste bei der jüngsten Reise feststellen, dass es nicht besser wird: „Fachleute gehen weg, Jugendliche ziehen weg. Und nun sind der Caritas auch noch die staatlichen Zuschüsse für Kindermittel gestrichen worden.“ In den fünf Tageszentren der Caritas Satu Mare werden etwa 400 Kinder betreut. Die Kosten dafür betragen im Jahr ungefähr 300 000 Euro, bisher erhielt die Caritas 50 Prozent als Subvention vom Staat. Die wurden laut Reckow aufgrund der Wirtschaftskrise nun gestrichen.

Damit sei die Rumänienhilfe nun noch mehr gefordert, sagt Inge Reckow. Spenden, vor allem auch finanzielle, seien dringend nötig. Dabei ist der Verein selber auch auf Unterstützung angewiesen. Für sein Sammellager am Schiebenkamp 2 in Osternburg muss er Miete zahlen. Die sei durch Spenden zunächst aber wieder gesichert, sagt die Vorsitzende. An jedem Montag ist das Lager von 15 bis 18 Uhr geöffnet (Kontakt: Tel. 168 53, Fax 248 98 08).


Hier wurden auch die Spenden für die aktuelle Nikolausaktion gesammelt und von Ehrenamtlichen schön verpackt. Die Reise nach Satu Mare finanzieren die Vereinsmitglieder selbstverständlich selber, und sie wohnen dort auch nicht in einem Hotel, sondern über der Sozialküche.

Eines entschädigt sie aber für alle Strapazen: Die glücklichen Gesichter der Kinder beim Besuch des Nikolauses aus Oldenburg.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg
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