OSTERNBURG - Vor sechs Jahren ist Stefan Sander auf den Hund gekommen. Das war auf Zypern, wo er und seine Freundin Sandra Lübben wieder einmal einen Urlaub verlebten. „Am Strand fanden wir einen herrenlosen Welpen“. Niemand sonst interessierte sich für die kleine Hündin – der Oldenburger jedoch schloss sie sofort ins Herz, nannte sie Sina und nahm sie (nach Tierarzt-Check, Impfung usw.) mit in die Heimat.
Längst hat Sina Spielkameraden bekommen: Scara und Timmi. Auch sie stammen von der Insel Zypern. „Scara war mit ihren Welpen über eine Mauer auf das Gelände eines Hotels geworfen worden“, erzählt Sander. Das sei sogar noch eine humane Art der „Entsorgung“ lästiger Hunde gewesen, weiß er mittlerweile. „Der Umgang mit Tieren auf Zypern ist schlimm“, sagt der 42-Jährige. Auch er habe bei seinen ersten Reisen auf die Mittelmeerinsel nichts von dieser Problematik mitbekommen: „Die Städte sind sauber, da merkt man davon nichts, aber auf dem Land.“
Tötungsstationen
Es gebe auf Zypern kaum reine Straßenhunde, sondern zumeist streunende Tiere (auch Katzen), die schon einmal in einem Haushalt gelebt haben. Unzählige würden ausgesetzt, manchmal abgegeben – in öffentliche Tierheime, in denen sich auch niemand wirklich für die Hunde interessiere. „Man hält sich auf Zypern gern Hunde für die Jagd. Sie werden aber nicht ausgebildet. Kommen sie nicht zurück, ist das den Besitzern egal. Bringen sie bei der Jagd nicht das gewünschte Ziel, werden sie ausgesetzt“, berichtet Stefan Sander. Viele Hunde landeten in Tötungsstationen. Dort würden sie zwei Wochen verwahrt und danach per Injektion getötet, wenn niemand Anspruch auf sie erhebe.
Mittlerweile ist der Oldenburger Fachmann. Er und seine Freundin haben sich dem Verein Zypernhunde angeschlossen, der vor vier Jahren gegründet wurde. Sie sitzen sogar im Vorstand. Und Stefan Sander, Inhaber der Firma „Die Druckmacher“, betreut von seinem Büro aus nicht nur die Geschäftsstelle, er stellt sein Gelände auch für das erste Sommerfest des Vereins zur Verfügung (siehe Infokästen).
Da auf Zypern der Tierschutz noch sehr desolat ist, haben Tierschützer aus England, der Schweiz und Deutschland, die auf der Insel leben, Organisationen und Tierheime auf Zypern gegründet und sich größtenteils in dem Verein Cydra zusammengefunden. „Wir sind auch dabei“, sagt Stefan Sander.
Misserfolg und Erfolg
Rund 1000 Hunde seien mithilfe des Vereins Zypernhunde bereits vermittelt worden. „Unser Versuch, das Bewusstsein der Zyprioten zu ändern, ist allerdings vorerst gescheitert“, bedauert Sander. Man habe Vorträge in Kindergärten gehalten. Doch Eltern hätten das nach einer Woche beendet. „Sie haben kritisiert, dass wir ihren Kindern beibringen, dass ein Hund ein Haustier ist.“ Woanders sei man erfolgreicher. „Die Problematik ist in der Politik angekommen. Ein Bürgermeister wird uns ein Grundstück für den Neubau eines Tierheims zur Verfügung stellen.“
Doch schon erreicht den Schatzmeister per Mail die nächste schlechte Nachricht von Zypern: Die Mitarbeiter eines öffentlichen Tierheims sind in die Sommerferien gegangen und haben die Hunde in den Zwingern einfach ihrem Schicksal überlassen.
