Osterscheps - Wenn man Julia Otto-Knipping die klassische Frage stellt, was zuerst da gewesen sei, die Henne oder das Ei, lacht die Osterschepserin. „Das weiß ich nicht“, sagt sie, nimmt wieder etwas Hühnerfutter in die Hand und wirft es den gackernden und pickenden Zweibeinern zu.
Schon als das Auto vorfuhr, waren die 220 Hühner und die drei Hähne zum Zaun gelaufen und hatten lauthals die Besucher begrüßt. „Sie wissen, dass es Futter gibt“, lacht Julia Otto-Knipping und kann kaum zum mobilen Stall gelangen, weil die Hühnerschar rund um sie zu läuft. Einer der Hähne versucht sogar ständig, mit seinem Schnabel Futter aus dem dunklen Futtereimer zu naschen.
Julia Otto-Knipping und ihr Mann Marius Otto, die 2009 den Himpsl-Hof in Osterscheps übernahmen, produzieren und verkaufen nicht nur Biogemüse, sondern auch Bio-Eier: 220 Freilandhühner picken und scharren auf großflächig umzäunten (Grün-)Flächen, die zum Hof gehören. Alle 14 Tage zieht das Federvieh um: Dann werden sie in ihrem mobilen Stall mit Hilfe eines Schleppers zu einer anderen Fläche gebracht.
„Mobile Hühnerhaltung ist artgerecht und umweltfreundlich“, sagt Julia Knipping-Otto und greift sich einen der „gackernden Vagabunden“ aus der Gruppe. „Schön fleißig legen“, flüstert sie der Junghenne zu, streichelt das Tier und setzt es dann zurück zu den anderen.
190 Eier produzieren die Legehennen täglich für den Biobetrieb. Die Eier werden vor allem an Privatkunden im eigenen Hofladen oder auf Wochenmärkten verkauft. 50 Cent kostet ein Ei, mehr als dreimal soviel wie ein Ei aus Bodenhaltung. Das könne man überhaupt nicht miteinander vergleichen, sagt die Osterschepserin. Sie könne überhaupt nicht nachvollziehen, wie man so günstig Eier produzieren könne.
Nun aber schnell: Wer noch keine Eier für die Osterfeiertage gekauft hat, sollte sich sputen. Engpässe auf dem Eiermarkt seien, so heißt es von Seiten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg, kurz vor den Feiertagen nicht ausgeschlossen. Das knappe Angebot an deutscher Ware sei schnell ausverkauft. Das gelte sowohl für Eier aus konventioneller als auch als alternativer Hühnerhaltung.
Was kosten Eier? Nach wie vor seien Eier ein preiswertes Lebensmittel, so die Kammer. Eier aus dem größten Marktsegment, der Bodenhaltung, seien um 20 Cent je Zehnerpack (mittlere Größe) teurer geworden und kosteten nun pro Ei 13,7 Cent. Wesentlich teurer sind Eier vom Biohof, ab 35 Cent und mehr.
Wie unterscheiden? In der EU ist die Kennzeichnung der Eier verbindlich geregelt. Die erste Ziffer weist auf die Haltungsform hin (0 = Ökologische Erzeugung; 1 = Freilandhaltung; 2 = Bodenhaltung, 3 = Käfighaltung), dann folgt der Ländercode aus zwei Buchstaben (z.B. AT = Österreich, BE = Belgien, DE = Deutschland, NL = Niederlande) sowie eine Nummer zur Identifizierung des Betriebs. Die ersten beiden Ziffern dieser Betriebsnummer beinhaltet einen Code für das Bundesland, aus dem das Ei stammt (03 für Niedersachsen), die dritte bis sechste Ziffer steht für den Betrieb und die siebte Ziffer für den Stall.
Die Verpackung lesen Auf der Verpackung stehen unter anderem Angaben zum Mindesthaltbarkeitsdatum und dem Verpackungsort der Ware. Dieser muss nicht mit Legeort übereinstimmen. So kann es sein, dass die Eier beispielsweise in den Niederlanden von Hühnern gelegt wurden und einen NL-Stempel tragen, auf der Verpackung jedoch DE steht, weil sie in Deutschland verpackt wurden.
Doch viele Verbraucher schauten einfach nur auf den Preis. „Immer, wenn es einen Eierskandal gibt, wie im vergangenen Jahr, als Eier aus den Niederlanden mit dem Insektengift Fipronil belastet waren, steigen die Absatzzahlen von Bio-Eiern drastisch. Dann sind viele Verbraucher auch bereit, einen angemessenen Eierpreis zu zahlen“, so die Osterschepserin. Aber das dauere meist nur zwei bis drei Wochen.
Hühnerhaltung sei einfach kostenintensiv, erklärt Julia Kipping-Otto. Jungtiere müssten angeschafft werden (die Familie Otto kauft ihre Tiere im Alter von sieben bis neun Wochen von einem Biobetrieb im Westfälischen), man müsse mehrere große Flächen als Auslauf haben sowie Ställe und Futter obendrein. Außerdem müssten jeden Tag die Eier gesammelt werden, sie würden gesäubert, auf Paletten gepackt und bis zum Verkauf gelagert.
Gibt es denn zu Ostern ausreichend Eier? „Unsere Hühner tun ihr Bestes, aber nur weil Ostern bevorsteht, legen sie kein Ei mehr“, so die Osterschepserin. Für ihre Familie und sie gehörten Eier, und zwar selbst gefärbte, zum Fest dazu, sagt sie und leert den Eimer mit dem Hühnerfutter.
„Ich stamme zwar nicht aus der Landwirtschaft, bin aber in einer ländlichen Region in der Nähe von Mainz aufgewachsen. Als Mädchen hatte ich zwei zahme Hühner, Brunhilde und Wippsteert. Eines davon habe ich sogar mal mit in die Schule genommen, als es im Sachunterricht um Nutztiere ging und in dem Karton, in dem ich es transportierte, hat das Huhn zur Begeisterung aller sogar ein Ei gelegt.“ Wippsteert und Brunhilde starben als zahme Haustiere eines natürlichen Todes.
Das ist mit den Junghennen bei den Ottos anders: Ein bis eineinhalb Jahre leben die Legehennen,, dann werden sie geschlachtet und als Suppenhühner verkauft.
