OSTERSCHEPS - Körpersprache ist einziges Mittel der Verständigung. Kleine „Kunststücke“ werden eingeübt.

Von Inka Fürup

Pferde und Zirkus sind miteinander verbunden. Kaum eine Vorstellung könnte ohne die gelehrigen Vierbeiner stattfinden. Doch wie aufwendig es sein kann, ein Tier an die schwierigen Übungen zu gewöhnen, haben Teilnehmer des Seminars „Zirkuslektionen für Pferde“ in Osterscheps erfahren. „Es geht nur vordergründig darum, den Pferden Kunststücke beizubringen“, erklärt Seminarleiter Peter Deicke, „tatsächlich soll unsere Arbeit glückliche Menschen und Tiere hervorbringen.“

Und das kann nur passieren, wenn die Harmonie zwischen beiden stimmt. In „Trockenübungen“ demonstriert Deicke, was er meint und fordert die Teilnehmer auf, im Wechsel in die Rolle eines Pferdes zu schlüpfen und „Kunststücke“ zu erlernen. „Nur so erfährt man, wie sich das Pferd dabei fühlt.“ Erst danach dürfen die Hobbyreiter im Alter von 7 bis 70 Jahren ausprobieren, wie sie ihr Pferd führen, anhalten und anweisen können. Bei Erfolg kommen schließlich die Kunststücke an die Reihe. Egal, ob die Tiere ihre Vorderhand heben, rückwärts gehen oder einen Gegenstand auf ihrem Rücken balancieren müssen: Disziplin ist bei allen Übungen oberstes Gebot. „Pferde benötigen immer klare Anweisungen und Lob, wenn sie etwas richtig gemacht haben“, erklärt der 76-jährige Tierdresseur seinen Zuhörern, „aber auch Tadel, wenn sie etwas Falsches tun.“ Dabei ist die Körpersprache das einzige Mittel, das für die Verständigung zur Verfügung steht. Trotzdem läuft die Kommunikation dank vieler

Streicheleinheiten und „Leckerlis“ gut.


„Wenn man sein Grundwissen in den non-verbalen Umgangsformen wieder aufgefrischt hat, ist alles viel leichter“, berichtet Rüdiger Böhlhoff, Seminarteilnehmer und selber seit mehr als 30 Jahren begeisterter Reiter. Heike Kocherscheidt-Riemann, Ausrichterin des Seminars, schließt sich ihm an: „Ziel der Veranstaltung ist es, das Verständnis zwischen Mensch und Pferd zu verbessern“, fasst sie zusammen. „Die Pferde sollen Gehorsam lernen und dabei trotzdem Freude haben.“ Denn Respekt und Freude seien es schließlich, so Deicke, die eine Vertrauensbasis schaffen würden. Und ohne Vertrauen könne kein Tier etwas lernen.

Das Seminar wurde bereits zum fünften Mal unter Leitung von Peter Deicke angeboten. Träger der Veranstaltung war wiederum die VFD (Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland). Eingeladen waren alle Pferdefreunde, mit oder ohne Pferd.