OSTERSCHEPS - Auch die Ratsfraktionen beziehen Stellung zu dem geplanten Bau einer Putenmastanlage in Osterscheps: „Wir hätten uns eine öffentliche Diskussion über die Erteilung des Einvernehmens im Bauausschuss gewünscht“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Seeger. Seine Fraktion habe aus Gründen der Erschließung und weil notwendige Gutachten noch nicht vorlagen, die eine Bewertung überhaupt ermöglichten, den geplanten Standort des Stalls am Pool abgelehnt. „Im Ammerland ist die Landwirtschaft noch intakt und so soll es bleiben. Wir wollen keine Cloppenburger Verhältnisse, sondern bäuerliche Landwirtschaft und keine Industriebetriebe“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Hans Fittje. Deshalb müsse man Maststallneubauten genau prüfen. Im Osterschepser Fall habe man wegen der Erschließungsprobleme das Einvernehmen verweigern können.
Die FDP stehe auf Seiten der Anlieger, die das Projekt ablehnten, so FDP-Fraktionsvorsitzender Rolf Kaptein. Anderseits müsse man sehen, dass Landwirte zukunftsorientiert investieren wollten. Auf hofnahen Flächen werde man das Vorhaben wohl befürworten müssen. Kaptein wünscht sich, dass Gemeinden mehr Entscheidungsspielraum bei priviligierten Vorhaben im Außenbereich wie Stallneubauten hätten.
Bei Stallneubauten sei der politische Einfluss bislang gering, bedauert UWG-Ratsherr Thomas Apitzsch. Die Genehmigungsbehörden prüften nur, ob die Richtlinien eingehalten würden; eine Diskussion über industrieelle Landwirtschaft mit Massentierhaltungsställen und über die Verödung der Landschaft gäbe es nicht. Das Osterschepser Projekt war Schwerpunktthema einer lang geplanten UWG-Versammlung mit Anwohnern und dem Landwirt, nachdem die Verwaltung im öffentlichen Bauausschuss über das Vorhaben informiert hatte und die Presse diesen Hinweis aufgegriffen hatte. Die Anwohner hätten bis dato nichts von den Plänen gewusst. Im Osterschepser Fall sei das Einvernehmen der Gemeinde versagt worden, was leider selten geschähe, so Apitzsch.
Gegen die Putenmastanlage in Osterscheps sprechen sich die Grünen aus. Die Haltung von Puten in industriellen Massentierställen widerspräche allein schon aus ethischen Gründen einer artgerechten Tierhaltung und sei schon deshalb abzulehnen. Die Grünen fordern, dass der Kreis als Genehmigungsbehörde beim Bau von Mastställen seinen Ermessensspielraum nutzt und vorrangig die flächengebundene bäuerliche Landwirtschaft fördere, die wirtschaftlich effektiv und umgerecht produziere und Nutztiere artgerecht halte.
