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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Ostfriesen fliegen Werder-Kicker

09.09.2008

EMDEN /BREMEN Mitleid und Spott ernteten Martin Dekker aus Aurich und Jan J. Janssen aus Emden, als sie am 1. November 1958 in Emden den Flugdienst Ostfriesische Lufttaxi (OLT ) gründeten. Eigentümer war die Reederei Fisser & van Doornum. Skeptischer Ostfriesen-Schnack vor fünf Jahrzehnten: „Wer will denn 'raus in Watt fliegen?“

Die OLT flog hinaus ins Watt – und bald auch zu anderen Zielen. Heute heißt sie Ostfriesische Lufttransport GmbH (OLT). Sie wurde zu einer Erfolgsstory des Nordwestens – und fliegt laut Flugplan im Internet 16 Ziele an. Der Erfolgsfaktor? Axel Weber (51), der die OLT gemeinsam mit Axel Trampnau (42) leitet, nannte gegenüber dieser Zeitung einmal ohne zu zögern die „Flexibilität“ der Firma und ihrer Mitarbeiter im regionalen Linienflug und im Charterverkehr. Man fliegt auch für Werder Bremen.

Der Jubilar wird jetzt 50 Jahre alt. Am Freitag wird in Emden gefeiert.

Die zwei Gründer waren vom Fliegerbazillus befallen: Dekker war im Krieg Fluglehrer. Jan J. Janssen, Sohn eines Emder Getreidehändlers, kam mit 18 Jahren zur Luftwaffe und flog noch das Strahlflugzeug Me 262. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde wieder, sobald möglich, geflogen, und zwar als Schlepp-Pilot für Segelflugzeuge oder Werbeflüge für Doornkaat.

Decker hatte 1947 einen Zeitungsvertrieb in Aurich gegründet, holte nachts am Bremer Postamt Zeitungen ab, die per Schiff auf die Inseln gebracht wurden. So kam die kühne Idee auf, Zeitungen auf dem Luftwege zu den Inseln zu bringen. Als er den Vertriebsleiter der „Welt“ kennengelernt und ihm eine Zeitung pünktlich zum Frühstück nach Borkum geflogen hatte, war die Reaktion spontan: „Das müssten wir immer so machen!“

Dekker und Janssen erwarben ihre Berufspilotenscheine bei der neuen Lufthansa-Verkehrsfliegerschule in Bremen. Die OLT hieß nun „Ostfriesische Lufttaxi – Dekker und Janssen OHG“. Anforderungsverkehr, Rund- und Werbeflüge, Schlepp-, Gesundheits- und Luftbildflüge waren der Geschäftszweck. In Emden entstand ein Flugplatz (1959). Das erste Flugzeug mit vier Plätzen und 125-PS-Motor genügte, um in 15 Minuten von Emden nach Borkum zu fliegen. Zu den ersten Aufträgen gehörte das Abwerfen von Zeitungen für Inselurlauber.

Reich wurden die OLT-Flieger davon nicht, aber es sicherte erst einmal das Überleben. Ganze 268 Passagiere wurden 1959 befördert. 1960 war die junge OLT mit mehr als 1450 Flügen und 2000 Passagieren auf ihrem Heimatflughafen Emden bereits mächtig stolz. Langsam stieg die Zahl der Passagiere. 1971 waren es schon 65 000. Frachtflüge kamen als neues Standbein hinzu. Erster Kunde war der Otto-Versand.

Auch die Flotte wuchs. 1973 holten Emder Piloten eine neue „Twin Otter“ von Kanada in 25 Stunden über Neufundland, die Azoren und Portugal nach Emden. 1,8 Millionen DM kostete der neue 20sitzige Stolz der OLT. Man besaß jetzt zwölf Flugzeuge, die Hälfte davon zweimotorig.

1970 war die OLT auf wirtschaftlich gesündere Füße gestellt worden. Als Gesellschafter trat die Gesellschaft für Industrie- und Verkehrswesen (AGIV) Frankfurt ein. 1974 kam die Umbenennung der Ostfriesischen Lufttransport GmbH in DLT Luftverkehrsgesellschaft. Das „D“ stand nun für „Deutsche“. Aus der DLT wurde 1991 dann die Lufthansa-Tochter Cityline.

Doch parallel mit der Gründung der DLT gründeten die Gesellschafter sofort ein neues altes Unternehmen wieder: Die Ostfriesische Lufttransport GmbH. Und diese OLT (im Besitz der AG Ems und der Reederei Norden-Frisia) durchflog seither die Turbulenzen viel besser als mancher Wettbewerber. Die Flotte umfasst heute sieben Flugzeug-Typen, die sich für vielfältige Zwecke eignen. Darunter ist seit kurzem ein Düsenjet, eine Fokker 100. Für die Linien- und Charterfluggesellschaft OLT hat damit das Jet-Zeitalter begonnen.

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