Ovelgönne - Kennen Sie das? Sie brutzeln Frikadellen. Bis auf zwei, drei Stück haben Sie alle in einer Pfanne. Und sie wissen genau: Gleich sind die in der Pfanne so zusammengeschrumpft, dass sie die restlichen locker dazu schupsen können. „Dass passiert Ihnen mit unserem Fleisch nicht“, verspricht Sven Semprich. Ein Mann, ein Wort: „Unser Fleisch enthält nicht so viel Wasser. Das kriecht nicht zusammen.“

Doch was ist anders beim Fleisch von Sven Semprich und seiner Frau Alexandra? Vieles, weiß man, wenn man die Hobby-Landwirte erst einmal auf ihrem Hof in Ovelgönne besucht hat. Dort leben Semprichs mit ihren zwei Muttersauen Mona und Lisa, deren Ferkeln, diversen Schafen und Ziegen und anderen Tieren, die sich so einen Hof als ihr Zuhause aussuchen. „Respekt dem Tier“ steht auf einem großen Holzbrett, dass quer an der Stallwand hängt und das Credo der kleinen Landwirtschaft darstellt. „Uns geht es ums Tierwohl, um eine möglichst artgerechte Haltung“, sagt Sven Semprich. Dabei hatte das Paar bis vor einigen Jahren nichts mit Landwirtschaft zu tun. Dann gab es für Alexandra Semprich ein Schlüsselerlebnis: „Ich habe zum ersten Mal in einen Maststall geschaut. Und da war ich mit dem Thema Schweinefleisch eigentlich durch.“ „Wir machen das besser, hab’ ich gedacht. Und dann haben wir die Schweine gekauft“, fügt Sven Semprich hinzu.

Mona und Lisa bezogen somit ihr Quartier an der Kuhler Straße 30. Sie sind Bentheimer-Pietrain-Sauen, die den Morgen über gerne im Stall verdösen, während die anderen Schweine draußen in der Sonne liegen oder dort im Matsch wühlen – je nach Witterung. Kommen Alexandra und Sven Semprich in den Stall, buhlen die Tiere um Streicheleinheiten und lassen es sich gerne gefallen, wenn ihnen kräftig der Rücken gewalkt wird.

Einmal im Jahr bekommen die Sauen Ferkel. „Sie könnten dreimal jährlich werfen, aber das wollen wir nicht“, sagt Lars Semprich. Von der Geburt bis zum Schlachthof bleiben die Geschwister zusammen bei ihren Muttertieren. „Ein Mastschwein ist nach drei Monaten schlachtreif, unsere bleiben hier mindestens ein Jahr auf dem Hof“, erklärt Alexandra Semprich.

Damit sich der größere Aufwand, gepaart mit weniger Masse, trotzdem lohnt und für die Kunden bezahlbar bleibt, haben sich Semprichs von vornherein für die Direktvermarktung ihrer Tiere entschieden: Die Kunden haben die Möglichkeit, sich zu den jeweils vorab angekündigten Schlachtterminen ein halbes oder ganzes Schwein zu bestellen. Der Kilopreis setzt sich aus einer Mischkalkulation der verschiedenen Teile zusammen. Wer will, kann sich aus seinem Schwein auch Räucherwaren oder Wurst herstellen lassen. „Dafür kann man sich sogar die Gewürze selbst aussuchen“, so Sven Semprich.


Wer möchte, kann auch eine Patenschaft für ein Ferkel übernehmen: Die Paten könne die Tiere besuchen, sie zahlen einen monatlichen Beitrag, quasi für Kost und Logis, bis zur Schlachtreife und bekommen am Ende ihr geschlachtetes Tier, das nach Bestellung zerlegt wird. „Das ist ein bewussterer Umgang mit den Tieren, der Verbraucher muss umdenken. Weniger ist mehr. Da muss jeder bei sich selbst anfangen“, lautet Sven Semprichs Appell.

Infos gibt es unter t 0174/2452612 oder  

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg