OVELGöNNE - „Ich bleibe hier, so lange ich kann. Das hier ist meine Heimat, und da ist natürlich auch eine Menge Herzblut dabei.“ Ruth Timme sitzt in ihrem Wohnzimmer. Von hier aus hat sie einen wunderschönen Blick in den Garten. „Dort kann man herrlich entspannen, und ich habe ihn mir pflegeleicht eingerichtet, schließlich bin ich 77 Jahre alt“, sagt die Frau, die gebürtig aus Schweiburg kommt und in Colmar schon einige Veränderungen mitgemacht hat.
Hebamme vor Ort
„Früher gab es hier noch jede Menge Handwerksbetriebe, die Viehhändler, den Schlachter, den Schmied, den Schuster und sogar eine Hebamme. Das ist jetzt nicht mehr“, sagt Timme. Dennoch möchte sie Colmar treu bleiben. „Die Landschaft, die Zufriedenheit auf dem Land, die Vereine, das gute Miteinander, die große Nachbarschaftshilfe, das Kirchdorf, die Ländliche Erwachsenenbildung. Das sind alles Punkte, die mir diese Entscheidung leicht machen“, sagt sie im Gespräch mit derNWZ
.Timme ist eine Frau, die nicht so schnell aufgibt. „Ich gehöre zur Kriegsgeneration, und wir haben gelernt, dass man schwierige Situationen am besten mit gegenseitiger Hilfe lösen kann.“ Und aus dieser Sicht vertritt sie auch die Meinung, dass man gerade auf dem Land dem demografischen Wandel in Teamarbeit begegnen muss. „Die Sozialstation, die Pflegedienste, der Seniorenkreis, der Hausarzt sollten unbedingt vor Ort vorgehalten werden“, sagt sie. Timme weiß, dass gerade die Mobilität ein ganz wichtiges Problem im ländlichen Raum ist. Daher unterstützt sie die Forderung nach einem Taxi-Bus. Sie begrüßt, dass sich die Gemeinde Ovelgönne dem Problem des demografischen Wandels stellt, und eine Stelle für einen Demografie- und Seniorenbeauftragen eingerichtet hat. „Dirk Majcher wird den Seniorenkreis Strückhausen im September besuchen. Und dann werden wir uns praktische Lösungen für die Probleme überlegen.“
Taxi-Bus einführen
Auch als Sprecherin des Seniorenkreises Strückhausen setzt Timme auf Teamarbeit. Der rund 30 Mitglieder starke Kreis trifft sich an jedem 3. Mittwoch im Monat um 15 Uhr. Und auch in dieser Runde hat Timme festgestellt, dass die Menschen, die auf dem Lande leben, besonders sozial eingestellt sind.
Das gute Miteinander habe auch dazu geführt, dass der Neustädter Hof gerettet werden konnte und dass der Turnverein Neustadt eine solch tolle Entwicklung genommen hat. Der TV feiert an diesem Wochenende seinen 125. Geburtstag. Dass Timme als aktives Mitglied im Seniorensport dabei ist, das erklärt sich wohl fast von selbst.
