Ovelgönne-Oldenbrok - Kühe muhen, ein großer Hund schlendert gemächlich über den Hof und Henning Hillmer (31) versucht mit seinem Auszubildenden Luca Willgerodt (16) einer Kuh beim Aufstehen zu helfen.

In der Zeit, wo es für Betriebe immer schwieriger wird neue Auszubildende zu finden, haben beim Hof Hillmer gleich drei angefangen. Marco Cordes (16), Luca Willgerodt (16) und Tom Nobis (20) haben sich alle entschieden die Ausbildung zum Landwirten zu machen, aber warum?

Der 20-jährige Tom aus Lemwerder hat zuvor schon eine Ausbildung zum Industriemechaniker in einer Werft absolviert, allerdings sei die ständige Arbeit in der Halle nichts für ihn gewesen. „Meine Eltern haben einen Biohof. Immer wenn sie im Urlaub waren, habe ich mit mit meinen beiden Schwestern den Hof geschmissen. Das hat mir Spaß gemacht“, begründet Tom die Entscheidung zur zweiten Ausbildung. Bei den beiden anderen Auszubildenden fällt die Antwort ganz ähnlich aus.

Sie kommen alle drei aus einer Familie mit Landwirtschaft. In ihren Zukunftsplänen möchten sie die Familientradition fortführen. Die zwei 16-Jährigen, Marco und Luca, sind sich einig: „Draußen in der Natur arbeiten macht Spaß. Das Arbeiten in der Landwirtschaft ist sehr abwechslungsreich. Den ganzen Tag im Büro zu verbringen wäre nichts für uns.“

Henning Hillmer, der selbst mit Anfang zwanzig die Ausbildung zum Landwirt absolviert hat, betreibt den Hof mit seinem Vater Harald Hillmer. Der 31-jährige Landwirt ist überzeugt: „Es ist schon die dritte Hillmer-Generation. Die Landwirtschaft hat eine Zukunft, denn Menschen werden immer etwas zu Essen brauchen.“ Trotz sinkender Milch- und Fleischpreise entscheiden sich immer noch viele Jugendliche ihre Ausbildung in der Landwirtschaft zu machen. In den letzten vier bis fünf Jahren sind es sogar mehr geworden, laut Hillmer. Schon seit fünf Jahren bildet Henning Hillmer selbst aus. Sein Vater hätte ebenfalls schon circa 26 Jahre ausgebildet. Innerhalb dieser Jahre, hätten sie immer Azubis gehabt. „Es gab erst ein Jahr in dem unser Auszubildender damals krankheitsbedingt abgesprungen ist. Seit ich ausbilde, hatten wir meistens zwei Azubis“, erinnert sich Hillmer. Der Hof Hillmer hat ein Händchen, junge Menschen für Landwirtschaft zu begeistern. Manchmal schaltet der Hof eine Stellenanzeige im Landwirtschaftsblatt, darüber ist Luca auf den Hof aufmerksam geworden. Ansonsten informiert die Landwirtschaftskammer über mögliche Ausbildungsbetriebe. „Viele Azubis bekommen wir auch noch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Früher wusste mein Vater meist schon für die nächsten zwei, drei Jahre welche Azubis zu uns kommen. Das ist heute aber nicht mehr so“, erklärt Henning Hillmer.


Mit 19 Jahren hat Henning Hillmer zunächst die Fachhochschulreife absolviert. Für ihn war es nicht von Anfang an klar, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten möchte. Er hat auch Praktika in der Bank und bei der Spedition absolviert. „Mein Vater hat mir damals gesagt, dass ich mir es gut überlegen soll. Wenn es mir keine Freude bereiten würde, dann hätte es keinen Sinn“, beschreibt der junge Landwirt.

Das Ausbilden neuer Landwirte sei ihm wichtig. Einerseits wäre es zwar Arbeit, aber anderseits würden sie schnell lernen und mit anpacken. „Ich habe es von Kind auf miterlebt, wie Azubis hier mit uns gegessen haben und sie mit mir Fußball gespielt haben. Außerdem sind die Azubis meist zum ersten Mal nicht Zuhause, daher finde ich die Einbindung in unser Familienleben auch wichtig“, erklärt Hillmer.

Auf dem Milchhof werden insgesamt 138 Hektar bewirtschaftet, 160 Kühe gemolken und Eier von bis zu 3 500 Hühner gesammelt. Alle drei Auszubildenden schlafen im Haus der Familie Hillmer. Der Tag startet für sie schon um 5.30 Uhr und geht bis 18 Uhr. Insgesamt gibt es drei Pausen. Die Arbeitswoche endet nicht mit Freitagnachmittag. Am Wochenende muss zumindest das Nötigste für die Tiere gemacht werde wie beispielsweise füttern, melken und Tränken kontrollieren.