Meine Zeit auf der Farm war vorbei. 3500 Kilometer wollte ich vom Süden Neuseelands mit dem Auto zurücklegen, bevor es wieder von Auckland auf die Nordhalbkugel gehen sollte. Gute fünf Wochen hatte ich mir dafür Zeit genommen – genug, um den Rest des Landes wenigstens in seinen Ansätzen kennen zu lernen.
Der Wetterbericht hatte Schnee vorausgesagt, und so beeilte ich mich, mit einem gemischten Gefühl aus Wehmut und Freude, die Reise zu beginnen. Auf dem Weg nach Queenstown, meinem ersten Stopp, kam der Schnee tatsächlich ziemlich rasch. Ich war heilfroh, dass mein Auto über Allradantrieb und neue Reifen verfügte, und folgte die letzten Kilometer einem Krankenwagen, um zu helfen, die zahlreichen querstehenden Autos zur Seite zu schieben.
Verschneite Straßen
Neuseeländer bei Schnee verhalten sich vermutlich in etwa so wie die Deutschen bei Hitze – sie kommen einfach nicht damit klar. Oft nur mit Sommerreifen ausgestattet und ohne jede Glatteiserfahrung, hatten die Autofahrer kaum eine Chance, voranzukommen. Der Winterdienst schien zudem erst einmal abzuwarten, wie sich die ganze Lage entwickeln würde.
Am nächsten Tag war ich tatsächlich eingeschneit, alle Zufahrtsstraßen zum Ort waren gesperrt und mein Auto bekam ich nur mit Schneeketten vom Parkplatz auf die Straße. Da die ersten Lebensmittel bereits knapp wurden und ich Queenstown zur Genüge kannte, brach ich am nächsten Tag dann doch auf.
Mit Schneeketten und gemütlichen 40 Stundenkilometern ging es über die Straßen, welche eingeschränkt wieder geöffnet waren. Sobald ich aus dem Ort heraus war, verbesserten sich die Straßenverhältnisse denn auch stetig. Es ging zur Westküste. Hier war kein Schnee mehr zu sehen, und vor allem gab es Sonne.
Im T-Shirt ging es nun eine Woche lang die Westküste hinauf. Zwei Gletscher reichen hier beinahe bis ins Meer, und einen von beiden bestieg ich in einer geführten Tour. Sechs Stunden lang waren wir im Eis, kletterten durch Gletscherspalten, vom Schmelzwasser geformte Tunnel und über natürliche Brücken. Die Gletscher waren hier im unteren Bereich schneefrei, und so bot sich mir ein atemberaubender Blick über die tiefblaue Eislandschaft.
Menschenleere Strände
Im Norden der Südinsel liegt der Abel Tasman Nationalpark, ein Kanuparadies. Zahlreiche kleine Buchten, klares Wasser, in welchem sich Seelöwen tummeln, und weißer Strand. Ich ließ mich mit dem Wassertaxi an die Spitze des Parks bringen, von wo es mit dem Kajak und zu Fuß wieder zurück ging. Einige Seelöwen freuten sich über die Gesellschaft auf dem Wasser und schwammen freudig um das Boot herum. Die Nacht verbrachte ich in einer der Hütten entlang des Weges und freute mich über menschenleere Strände, wie sie wohl nur im Winter hier zu finden sind.
Ist das Straßenprofil die gesamte Küste entlang auch nervenraubend, so entschädigen Orte wie dieser jedoch für die langen Fahrten. Neben dem Abel Tasman Nationalpark gibt es im Norden der Südinsel noch die Stadt Nelson. Diese, für die meisten Sonnenstunden in Neuseeland bekannt, empfing mich auch tatsächlich mit einem wolkenlosen Himmel.
In Picton, der Hafenstadt mit der einzigen Fährverbindung zur Nordinsel ,beendete ich meine ersten 1000 Reisekilometer. Von hier aus wollte ich mit dem Zug die Ostküste hinunter nach Christchurch fahren, um dann wenig später auf dem gleichen Weg zurückzufahren und die Südinsel anschließend mit der Fähre zu verlassen.
Ich war gespannt.
