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Streit um Zukunft von Airbus und Premium Aerotec Arbeitnehmervertreter: „Wir setzen auf die Bundeskanzlerin“

Im Streit um die Zukunft des Airbus-eigenen Flugzeugbau-Zulieferers Premium Aerotec (PAG) und auch der Werke im Nordwesten appellieren Betriebsrat und IG Metall wegen Hilfe jetzt an die Bundesregierung. Hier das Interview der Wirtschaftsredaktion dazu – mit dem IG-Metall-Bundesvorstandsmitglied Jürgen Kerner (Frankfurt) und dem PAG-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Thomas Busch aus Varel. Ihre Forderung: Die Bundesregierung müsse bei Airbus „ihren Einfluss geltend machen“. Was ist da gemeint?

Herr Kerner, Airbus will seinen eigenen Zulieferer Premium Aerotec, kurz PAG, zerschlagen. Besonders betroffen ist das Werk Varel. Warum hängen Sie sich nun vom Bundesvorstand der IG Metall aus in diesen Fall hinein?

Die Interview-Partner: Zur Person

Thomas Busch (49) ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Zulieferers Premium Aerotec (PAG/Augsburg), den Airbus zerlegen und die Teile neuen Firmen zuordnen will. Zugleich ist der Vareler auch Mitglied im Konzernbetriebsrat der PAG-Mutter Airbus.

Jürgen Kerner  (52) ist Mitglied des Bundesvorstandes der IG Metall. Er ist der „Hauptkassierer“der Gewerkschaft, die auch im Flugzeugbau stark verankert ist. Zudem hat der gebürtige Augsburger Aufsichtsratsmandate inne, so auch bei der Airbus-Tochter PAG.

KernerWas Airbus hier plant, gerade auch in Varel, hat bundesweite Bedeutung. Wenn PAG zerschlagen wird, dann würde das massiv den gesamten Flugzeugbau-Standort Deutschland schwächen. Das wäre genau der falsche Weg. Es muss darum gehen, die Zulieferer für die Herausforderungen der Zukunft zu bündeln, also zu stärken.

Airbus argumentiert aber ja, man wolle Strukturen und Abläufe stärken.

BuschAber mit der Gründung von zwei Tochtergesellschaften in Deutschland und der Trennung der Wertschöpfungskette ist das Gegenteil der Fall. Es drohen noch kompliziertere Strukturen – erst recht, wenn die geplante neue Kleinteile-Firma außerhalb von Airbus angesiedelt wird. Die Arbeitsplätze werden massiv von Verlagerung bedroht sein. Man würde dann direkt mit Zulieferern in Nordafrika und Osteuropa in Wettbewerb geraten. In Frankreich soll die komplette Wertschöpfungskette erhalten bleiben und die Stelia soll komplett überführt werden. Die Zahl der Beschäftigten des neuen Unternehmens soll auf über 12 000 verdoppelt werden. In Deutschland soll dies nicht der Fall sein. Noch etwas: Der Vorwurf, in Varel, in der PAG, sei zu wenig in Niedriglohnländer verlagert worden, ist falsch. Varel hat sich neben der Montage des Rumpfmittelteils des Eurofighters, neben dem Tür- & Torrahmenmontage Center, auf die Herstellung der komplexen Einzelteile konzentriert. Etwa die Hälfte der Teilefertigung steuern schon heute Zulieferer, oft regionale, bei.

Herr Kerner, die Zukunftssicherung für PAG-Werke und Mitarbeiter lässt sich offenbar kaum allein zwischen Betriebsrat und Airbus-Vorstand erreichen. Was fordern Sie von der Bundesregierung?

KernerGanz klar: Die Bundesregierung muss ihren Einfluss geltend machen. Wir erwarten, dass die Regierung, die Airbus sowohl im militärischen als auch zivilen Bereich massiv unterstützt, diese Zerschlagung verhindert. Sie ist über die KfW einer der Airbus-Großaktionäre. Da gibt es also Möglichkeiten. Die Bundesregierung und ihre Vorgängerinnen haben die Luft- und Raumfahrt und gerade auch Airbus mit großen Beträgen aus Steuermitteln gefördert. Wir erwarten nun, dass sie sich massiv dafür einsetzt, dass die Arbeitsplätze und letztlich die Branche in Deutschland bleiben. In Frankreich, dem wichtigsten Airbus-Partner, ist so etwas selbstverständlich. Schlanke und effiziente Strukturen in der Wertschöpfungskette zu gestalten, unterstützen wir – wenn dies auch den Standorten und den Beschäftigten zugute kommt. Gegen eine Zerschlagung der Premium Aerotec und von Standorten bei Airbus Operations werden wir massiven Widerstand organisieren.

Es gibt nun erste Konzepte für den deutsch-französischen Kampfjet der Zukunft. Da geht es am Ende um dreistellige Milliardenbeträge...

KernerDas ist richtig, und dieser Zukunfts-Jet und seine Teile müssen ja irgendwo gefertigt werden. Die Bereitstellung massiver Steuermittel aus Deutschland muss direkt verknüpft werden mit entsprechenden Arbeitspaketen für Deutschland und auch mit der Zukunft von Premium Aerotec. Aktuell, beim Eurofighter, ist ja ganz klar: Wir brauchen für die Endmontage PAG in dieser Struktur. Es beginnt mit Rumpfteilen in Varel und der weiteren Montage am PAG-Standort Augsburg.

Herr Busch, hat sich die Politik in das Thema PAG und die Zukunft von Standorten wie Varel und Nordenham genügend reingehängt?

BuschWir bekommen viel Zuspruch auf regionaler Ebene und bei der Landesregierung, vom Ministerpräsidenten Stephan Weil bis zu Ministern wie Bernd Althusmann, Olaf Lies und Björn Thümler. Aber jetzt gehört das Thema auch ins Kanzleramt in Berlin!

Wer ist zuständig?

KernerZuständig ist der Koordinator für Luft- und Raumfahrt der Bundesregierung, Thomas Jarzombek. Wir hätten uns gewünscht, dass er in Sachen Premium Aerotec und der drohenden Nachteile für Zulieferer-Struktur und -Größe im Vergleich auch zu Frankreich proaktiv tätig wird. Ein Engagement ist jetzt extrem wichtig – auch mit Blick auf die Arbeitsplätze. Wir setzen auf die Bundeskanzlerin. Denn eines ist doch klar: Wenn es um den Airbus-Konzern geht, laufen die wirklich wichtigen Entscheidungen dann zwischen Élysée-Palast und Kanzleramt.

Eine Frage zum Abschluss: Wie ist die Stimmung vor Ort?

Seit die Pläne des Airbus-Vorstandes zur Neuordnung der konzerneigenen Zulieferer vor knapp zwei Wochen bekannt wurden, gibt es vor Ort kaum ein anderes Gesprächsthema, auch bei Premium Aerotec. Wie ist die Stimmung dort? Ist sie in Nordenham, wo man in einer neu zu gründenden Firma, aber auf jeden Fall wieder unterm Airbus-Dach landen wird, entspannter als in Varel? Dazu sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Busch:

„Ich spüre große Geschlossenheit! Es ist ja so: Nordenham gehört zur Airbus-Tochter PAG – und soll auch künftig zu einer Airbus-Firma gehören. Was soll dadurch besser werden? Vieles des Managementkonzeptes ist nicht schlüssig und widersprüchlich. Klar ist: Der Druck wird immer größer, aber wir IG Metaller, die Kolleginnen und Kollegen sind entschlossener denn je.“

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