Oldenburg - Norbert Adler sitzt in seinem Büro Am Wunderburgpark in Osternburg, auf seiner Schulter hockt zutraulich die Kakadu-Dame Line. Das 40 Jahre alte Tier sieht etwas gerupft aus – und mit Rupfern kennt Adler sich aus.

Seit 20 Jahren kümmert er sich von Oldenburg aus als Tiertherapeut um verhaltensauffällige Papageien. Aber auch um Hunde, die sich nicht an der Leine führen lassen, oder um Katzen, die die Wohnung ihrer Besitzer mit Urin markieren, haben es schon auf seine Couch geschafft. Eines stellt Adler aber gleich klar: „Ich bin kein Trainer, bei dem die Besitzer ihre Tiere abgeben und dann rund-erneuert zurückbekommen.“ Das bedeutet, dass die Besitzer während der Therapie mitarbeiten müssen. „Es hilft ja niemandem, wenn die Tiere bei mir gehorchen und in ihrer Familie bleibt alles beim Alten“, erklärt der Tierpsychologe.

Bevor die Therapie gestartet werden kann, nimmt sich Adler Zeit, um den jeweiligen Fall genau zu analysieren. Dazu besucht er seine Patienten zu Hause, um sich vor Ort die Schwierigkeiten im Alltag anzusehen. Anschließend erstellt er einen Therapieplan.

Katzen und auch die Papageien gehören dabei zu den anspruchsvolleren Patienten, weil sie komplexe Persönlichkeiten sind, wie Adler sagt.

Auch Kakadu Line war einer seiner schwierigeren Fälle – sie war sehr auf ihren Menschen fixiert. Dieses Problem trete häufiger auf, besonders wenn die Papageien allein gehalten werden. „Sie bauen eine sehr enge Beziehung zu ihren Besitzern auf und reagieren mitunter sehr eifersüchtig und aggressiv gegen sich und andere“, weiß der Papageien-Experte. Dagegen helfe nur Gesellschaft und viel Zeit, um die Beziehung Schritt für Schritt zu lösen und neue Verhaltensmuster entstehen zu lassen.


In 80 Prozent der Fälle lägen die Ursachen für das Verhalten der Tiere beim Menschen. Mangelnde Sachkenntnis, Angst und Unsicherheit führten zu Fehlern in der Erziehung, die sich in auffälligem Verhalten niederschlagen. „Als erstes versuche ich natürlich die problematische Situation aufzulösen, damit der Alltag wieder erträglich wird“, sagt Adler. Schon einfache Tricks könnten da helfen, sie reichen von einem größeren Gehege, bis zu mehr Bewegung oder einer Futterumstellung.

Seine Praxis gehört zum Tierschutzverein Franziskushilfe. Adler versteht sie als eine Solidargemeinschaft: Diejenigen, die sich die Therapie ihrer tierischen Lieblinge leisten können, finanzieren mit ihrem Honorar die Fälle, die Bedürftige an Norbert Adler herantragen. „Mit solchen Fällen haben wir viel zu tun.“

Denn genauso sehr wie das Wohl der Tiere liegt ihm auch das ihrer Besitzer am Herzen. Deshalb hat der Verein neben einer Tiertafel jetzt auch ein Tierseelsorge-Telefon ins Leben gerufen. Hier stehen ehrenamtliche Helfer als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn Besitzer zum Beispiel über den Tod ihres Haustiers sprechen möchten: „Wenn das Haustier stirbt, ziehen sich einige Menschen zurück und vereinsamen. Hier wollen wir helfen“, sagt Adler.

Das Tierseelsorge-Telefon ist unter Tel. 2 17 90 81 erreichbar.