Papenburg - In der Krise des Kreuzfahrt-Geschäfts verhandelt die Meyer-Werft in Papenburg mit der Belegschaft über längere Schließzeiten im Sommer und Winter. Es gehe um eine Anschlussregelung für die Ende Juni auslaufende Kurzarbeit, sagte Paul Bloem, Leiter des Bereichs Politik und Kommunikation der Werft, am Donnerstag unserer Zeitung. Neben der Verlängerung der aktuellen Regelung soll auch eine Ausweitung vereinbart werden. „Konkret geht es um ganze Blöcke, wo wir den Betrieb mehr oder weniger stilllegen werden, damit wir mit den Arbeitsstunden runterkommen“, sagte Bloem.
Zur Dauer der Schließzeiten lasse sich noch nichts Detailliertes sagen. „Wir denken aber schon über mehrere Wochen nach“, sagte Bloem.
Die „Ems-Zeitung“ berichtete aus Mitarbeiterkreisen, die Werft könnte den Betrieb für jeweils fünf bis sechs Wochen im Sommer und über den Jahreswechsel einstellen. Dies geht über die üblichen Betriebsurlaube bei der Meyer Werft hinaus.
Weil der Kreuzfahrttourismus wegen der Corona-Pandemie stillliegt und neue Schiffe nicht gebraucht werden, bemüht sich die Werft, Aufträge über 2022/23 hinaus zu strecken. Statt jährlich drei werden derzeit nur noch zwei Schiffe in Papenburg gebaut. „Im Schnitt des Jahres rechnen wir mit etwa 40 Prozent weniger Arbeitslast“, sagte Bloem. „Und wenn wir so weiterfahren wie jetzt, dann hätten wir im vierten Quartal quasi nichts mehr zu tun“, sagte er. Deswegen wolle man hier rechtzeitig gegensteuern.
Bereits an diesem Freitag sollen die Gespräche mit Betriebsrat und IG Metall weitergeführt werden. Die Gewerkschaft zeigte sich im Hinblick auf Produktionsstopps aufgeschlossen. Diese Maßnahme sei besser, als Stellen auf der Werft abzubauen, sagte Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, dem NDR.
Aus Sicht der Werft wird aber auch an einem Stellenabbau kein Weg vorbeiführen. „Es wäre unehrlich und unredlich bei der Dimension des Problems, das wir haben, den Eindruck zu erwecken, dass das ohne Einschnitte in der Stammbelegschaft vonstatten gehen könnte“, sagte Bloem. Es werde ein hartes Sparprogramm auf allen Ebenen geben. „Am Ende werden wir dennoch diese Zahl an Stammmitarbeitern so nicht beibehalten können“, sagte er.
Mit einem Stamm von mehr als 3000 Mitarbeitern und vielen Werksverträgen ist die Werft einer der größten Arbeitgeber im Nordwesten.
