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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Radelnd vom Pionier zum großen Player

14.05.2016

Oldenburg Als die Oldenburgerin Astrid Neumeyer 2015 ihre Freunde in New York besuchte, luden diese sie auch zu einer Radtour ein: Mit dem Künstler Steve Silver aus Brooklyn ging es über die Williamsburg Bridge nach Manhattan hinüber, über den Broadway und durch mehrere Stadtteile, selbst durch Harlem, auf Silvers Lieblingsstrecken meist jenseits der Hauptachsen. „Da haben wir viele interessante Ecken kennengelernt, die man sonst wohl eher nicht findet“, erzählt die Ärztin.

Sie kam bei einer Pause mit dem urigen Silver ins Gespräch – und siehe da: Der Mann aus Brooklyn kannte Oldenburg! Er war auch schon hier. Die Verbindung ist so: Die Radtouren bietet er überwiegend auf eigene Faust an – dreimal im Jahr aber ist er auch mit Gruppen des Oldenburger Rad- und Wanderreisen-Spezialisten „Die Landpartie Radeln & Reisen GmbH“ unterwegs.

New York, erzählen daheim in Oldenburg bei „Die Landpartie“ die Geschäftsführer Inge Hauer (53) und Thorsten Haase (54), das sei eine Art „Krönung einer Radfahrer-Karriere“. Im übrigens seien die Trassen dort oft „besser als viele Oldenburger Radwege“. New York sei die große Ausnahme – auch für den Radreisen-Veranstalter selbst. „Wir haben sonst kein außereuropäisches Programm“, sagt Haase und blättert im Katalog für 2016. Reisegebiet sind Deutschland und Europa.

In Oldenburg ist aus einem einstigen Pionier der Branche ein großer „Player“ geworden, mit 15 festen Mitarbeitern und etwa 40 freien Reiseleitern. Heute hat man 47 geführte Reiseziele und 37 individuelle Reiseziele im Programm. Weit über 6000 Kunden sind jährlich unterwegs, etwa durch Masuren, Südengland oder Italien.

Es sind ungleich mehr als 2007 – damals hatten Thorsten Haase und Inge Hauer die Radreise-Firma im Zuge eines Generationswechsels von der Gründerfamilie Delion übernommen. Sie war 1982 gestartet und hatte sich als Erstanbieter von Radreisen ins Baltikum einen Namen gemacht.

Die Käufer brachten Erfahrung mit: Thorsten Haase war als Berater tätig gewesen, Inge Hauer kam aus dem regionalen Tourismusmanagement. Die Firma war damals in Tornesch bei Hamburg ansässig. Haase und Hauer holten sie nach Oldenburg. „Weil Oldenburg eine schöne Stadt ist und wir hier unser Umfeld haben“, erläutern die Chefs, die einst beide an der Oldenburger Uni ihren Diplomabschluss in Ökonomie gemacht hatten.

Und so wurde damals die Szenerie der Reiseveranstalter in der Region um ein Mosaiksteinchen reicher: 71 Reiseveranstalter zählt man bei der Oldenburgischen IHK heute im Kammerbezirk – viele haben Radtouren im Programm.

Die Rahmenbedingungen sind günstig. „Wandern und Rad fahren stehen bei den Aktivitäten von Urlaubern weit oben und werden durch den demografischen Wandel noch an Bedeutung gewinnen“, sagt etwa der Experte Jan-F.   Kobernuß, Eigentümer der ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH in Köln.

Bei Die Landpartie übernahm man vom Gründer die Grundidee, im kunterbunten Radreise-Markt ein Premiumanbieter zu werden. „Die tolle Idee war lange da, aber wir haben sie dann konsequent verwirklicht und das Geschäft ausgebaut“, sagt Inge Hauer. Man sieht sich im Segment als Marktführer. Es gehe um viel mehr als eine Radtour. Der Veranstalter sorge „für alles“, ab und bis Haustür. Geflogen wird eher mit Lufthansa als mit Ryanair.

„Wir wollen möglichst individuelle Begegnungen vor Ort ermöglichen“, erläutert Inge Hauer den Ansatz. Sie erzählt von dem Engländer, der die Oldenburger Gruppen in seinen spektakulären Garten lässt, oder von der alten Frau in Masuren die inmitten paradiesischer Seen den Radlern einen Apfelkuchen backt.

Inge Hauer hat viele Touren vor der Aufnahme in den Katalog selbst erkundet. Beim Konzipieren sei man stets auf der Suche nach Strecken abseits der ausgeschilderten Routen, nach ortstypischem Essen, nach Erlebnissen – und nach individuellen Begegnungen. „Persönlich und authentisch“ müsse es zugehen.

Weiterer wichtiger Punkt: Manche Tour trauen sich Radfahrer allein so nicht zu, weil Wege und Unterkünfte für Reisen auf eigene Faust vor Ort nicht wirklich passen. Solche Ziele – wie zum Donau-Delta oder nach St. Petersburg – kommen gezielt ins Programm. Der Vorlauf für eine neue Route könne mehr als zwei Jahre dauern, erzählt Thorsten Haase. „Da wird vorher quasi jeder Stein umgedreht.“ In einer zweiten Schiene werden Radwanderungen ohne Führung angeboten.

Beides läuft. „Der Markt differenziert sich in immer mehr Nischen“, beobachtet der Berater Jan-F. Kobernuß.

Bei Die Landpartie ist die Entwicklung nicht nur an der kräftig gestiegenen Angestelltenzahl (15) abzulesen. 2013 war man aus dem Standort in Kreyenbrück herausgewachsen. Der Reiseveranstalter zog nach Oldenburg-Tweelbäke um. Die Landpartie dürfte heute den größten Fahrrad-Fuhrpark weit und breit besitzen: 700 Stück (mit wachsendem Elektro-Anteil), die von einem eigenen Mechaniker in Schuss gehalten werden.

Von den Fahrrändern findet man allerdings nur einen Bruchteil in der Zentrale in Tweelbäke, inmitten einer eher untouristischen Gegend mit Schlachtungs-, Entsorgungs- und Gesteinsunternehmen nebenan. Die allermeisten Fahrräder sind vor Ort stationiert, in mehreren festen Standorten, die von zentraler Bedeutung im Touren-Netz von Die Landpartie sind, etwa in Lübeck, Stralsund oder im Raum Potsdam. Zum Fahrzeugpark gehören auch Kleinbusse und Anhänger. Sie ermöglichen als Begleitfahrzeuge nicht zuletzt stilvolle Picknicks.

Längst haben die Oldenburger Kundschaft aus dem ganzen Bundesgebiet. Die treueste Radlerin war 32 Mal dabei. Und bei der Tourismusbörse ITB gab es 2012 den Branchen-Orden „Goldene Palme“ für besondere Angebote im Segment Aktivreisen.

Und wie geht es weiter bei Die Landpartie? „Wir bauen unsere neue Sparte der Wanderreisen weiter aus“, kündigt das Chef-Duo an. 2015 mit Madeira gestartet, wächst das Angebot zum geführten Wandern stark, mit Schwerpunkten wie „Wildnis Deutschland“, einschließlich einer angestrebten Begegnung mit dem Hirsch. 2016 sind es schon Dutzende Touren.

Und was macht das Unternehmer-Team Inge Hauer und Thorsten Haase im Sommerurlaub? Sie gehen auf Tour – „zu Fuß oder mit dem Fahrrad natürlich“. Wohin, das wird nicht verraten.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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