Altenoythe - 9.52 Uhr am Montagmorgen: Wie jede Stunde sendet der Datenserver des Deutschen Wetterdienstes (DWD) seine Messdaten aus Altenoythe nach Hamburg. Nicht nur Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, sondern auch Windgeschwindigkeit, Niederschlagsart und Bodentemperaturen umfasst das Datenbündel, das die Geräte auf dem Altenoyther Feld dem Computer geliefert haben.

Und zeitgleich mit dem Datenserver in Altenoythe schicken auch andere Computer weltweit ihre Daten zum DWD – alles verschlüsselt im „synoptischen Code“. „Alle Wetterdaten werden in einem fünfstelligen Zahlencode zusammengefasst; die eins an erster Stelle steht dabei zum Beispiel für die Temperatur als Parameter“, erklärt Jörn Bremer, Beamter beim DWD Hamburg.

Die Gerätschaften auf der umzäunten Rasenfläche gehören zu einer von insgesamt 32 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes, die ohne Personal betrieben wird. Alle zwei Jahre werden die technischen Gerätschaften ausgetauscht und in der Hamburger Zentrale neu kalibriert. Nur für die Wartung der Fläche vor Ort ist ein Stationswart nötig.

„Wir haben uns da an einen Landwirt gewandt, der nur 500 Meter entfernt wohnt. Er mäht hier den Rasen, reinigt und pflegt die Sensorik“, erzählt Jörn Bremer. Und Johann Schumacher, der benachbarte Landwirt, hat sich gern dazu bereit erklärt. Alle zwei Wochen mäht der 55-Jährige den Rasen, damit die Messungen nicht durch zu lange Gräser gestört werden. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollen der Sensoren. Schließlich seien die sensiblen Flächen, so Jörn Bremer, sehr empfindlich und teils auch störungsanfällig. „Der Niederschlagsmesser wiegt die aufgefangene Niederschlagsmenge auf ein hundertstel Milliliter genau – schon eine Fliege im Wasser kann das Ergebnis also verfälschen“.

Und auch die anderen Messgeräte wie der Schneehöhenmesser oder der Niederschlagsmonitor, die mit Laserstrahlen oder Infrarotlicht arbeiten, könnten schon durch Verschmutzungen falsche Messdaten ergeben, weiß der Wetterdienstbeamte. Um das zu vermeiden, sei eben Johann Schumacher als „gute Seele der Wetterstation“ eingestellt worden.


Eine weitere Problematik ist allerdings, dass die Messungen eben nur Punktmessungen sind: „Es braucht nur eine Schneeverwehung, die den Schnee von der Messplatte weht und schon zeigen die Daten eine geringere Schneehöhe an als wirklich vorherrscht“, so Bremer. Und trotzdem sei diese Form der automatischen Wetterstation ohne Personal, wenn man die Problematik der Punktmessung einzuschätzen wisse, „die Zukunft der Wetterbeobachtung“.

Schon seit 2012 gibt es die Wetterstation auf dem Altenoyther Feld nun, die als Nachfolger der Station auf dem Oldenburger Fliegerhorst angelegt wurde. Lange wurde nach einem geeigneten Standort im Raum Friesoythe erfolglos gesucht. Schließlich benötigen die hochsensiblen Geräte Hindernisfreiheit durch umliegende Felder oder Wiesen. Der nun gewählte Standort neben weitläufigem Ackerland scheint optimal.

Die Daten, die die Wetterstation Altenoythe stündlich liefert, sind repräsentativ für die Gemeinde Friesoythe. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Temperaturen im Ortsinneren von denen auf freiem Feld abweichen. „Meine Nachbarin hat immer gesagt: Wenn du im Ort bist, dann ist es einen Grad wärmer“, erzählt auch Stationswart Johann Schumacher.