Hoykenkamp - Wenn Jörg Bode im Büro seinen Kaffee umrührt, denkt er künftig vielleicht auch kurz an Ganderkesee: Seit Donnerstag nämlich weiß Niedersachsens Wirtschaftsminister, dass das Heißgetränk auf dem Herstellungsweg bis in seine Tasse irgendwann vermutlich auch durch eine Anlage der Firma Neuhaus Neotec gegangen ist.
Denn nicht nur bei der Produktion von Mahlwerken und Röstanlagen zählt das Hoykenkamper Unternehmen weltweit zu den Marktführern, auch bei der Entwicklung neuer Verfahren und der Optimierung von Produkten arbeitet es mit international agierenden Anbietern wie Nestlé oder Jacobs zusammen. Und längst geht es dabei nicht mehr nur um Kaffee oder Kakao: Das Mahlen von Nüssen oder das Pressen von Pfefferminzdragées ist ebenso möglich mit den Anlagen aus Hoykenkamp. Für praktisch jeden Stoff, der zu Pulver oder Granulat verarbeitet wird, kann Neuhaus Neotec ein Verfahren anbieten oder entwickeln.
„Eine Perle“ mitten im ländlichen Raum sei das Unternehmen, betonte Christian Dürr, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, der seinen Parteifreund Bode nach Ganderkesee gelotst hatte. Und der Minister zeigte sich beeindruckt von dem, was Betriebsleiter Karsten Sprenger sowie der Leiter des Geschäftsbereichs Partikeltechnologie, Henning Falk, und Technikums-Leiter Anastasios Mihailidis ihm erläuterten und vorführten.
Bei der Lösung der drängendsten Probleme kann indes der Landesminister dem Unternehmen nur sehr begrenzt behilflich sein – dafür braucht Neuhaus Neotec vielmehr die Unterstützung der lokalen Politik, die am Donnerstag durch FDP-Fraktionschefin Marion Daniel und weitere Mitglieder von Orts- und Kreisverband vertreten war. Das eine ist die verkehrliche Anbindung und die Lage mitten in einem Wohngebiet: Jede größere Lieferung sei eine logistische Herausforderung, erklärte Karsten Sprenger. Besserung erhofft er sich von der sogenannten Querspange, einer neuen Straße, die parallel zur Bahnlinie bis zum Hohenborn führt. Für 2014 hat die Gemeinde den Bau geplant.
Aber auch auf dem Werksgelände wird der Druck größer: Produktions- und Lagerkapazitäten stoßen an Grenzen. Ein neuer Bebauungsplan, den die Gemeinde vorbereitet, würde zwar eine Betriebserweiterung nach Süden ermöglichen – aber nur wenn die Lärmschutzauflagen nicht verschärft würden, wie Sprenger betonte: „Sonst haben wir ein Problem“. Marion Daniel sagte zu, diesen Umstand in den Ratsgremien zur Sprache zu bringen – auch damit nicht das eintritt, was ihr Kreistags-Amtskollege Ernst-August Bode schmunzelnd andeutete: „In Dötlingen haben wir noch freie Gewerbeflächen!“
