• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Namen

Eigentlich wollte er Musiker werden...

11.02.2015

Düsseldorf Eigentlich wäre Ludwig Poullain gerne Musiker geworden. Doch dem Wunsch des Vaters folgend lernte er etwas „Vernünftiges“. Die erste Geige spielte er viele Jahre später in einem ganz anderen Konzert: Als Vorstandschef der Westdeutschen Landesbank (WestLB) galt der Bäckersohn aus Lüttringhausen - heute einem Stadtteil vom Remscheid - in den 1970er Jahren als einer der einflussreichsten Manager im deutschen Geldgewerbe. Am Dienstag starb er mit 95 Jahren in seinem Haus in Münster.

Sein beruflicher Aufstieg begann 1937 mit einer Banklehre bei der Sparkasse Remscheid. Über einen Posten als Prüfer beim Rheinischen Sparkassen- und Giroverband arbeitete er sich hoch, bis er 1964 Vorstandsmitglied der Landesbank für Westfalen wurde. 1968 fusionierte er das Institut mit der rheinischen Schwesterbank zur WestLB. Poullain selbst wurde Vorstandsvorsitzender und baute die Gruppe zum größten öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut in Deutschland aus. Die WestLB wurde im Auslands aktiv und beteiligte sich an zahlreichen Unternehmen wie Preussag und Gildemeister.

Ein lukrativer Beratervertrag mit einem Finanzmakler beendete die Karriere Poullains im Bankgewerbe abrupt: Ende 1977 trat er als Chef der WestLB zurück. Wegen angeblicher Untreue, Betrugs und Bestechlichkeit wurde ihm wenige Jahre später sogar der Prozess gemacht. Poullain wurde freigesprochen.

In der Wirtschaft war sein Rat weiterhin gefragt. Unter anderem begleitete er die Verschmelzung von Grundig mit Philips. Auch mit provokanten Aussagen über die eigene Branche machte er immer wieder von sich Reden. „Die Sparkassen tun heute nichts anderes als Banken - sie sind gewinnorientiert.“ Und er schlussfolgerte: „Es gibt keine ordnungspolitische Begründung, öffentlich-rechtliche Kreditinstitute zu betreiben.“ Mit der Aufspaltung der WestLB in eine Landesbank und eine kommerzielle Tochter Mitte 2002 wurde seine Forderung viele Jahre später Realität. Lange nach Poullains Abgang geriet die WestLB durch hohe Verluste in Schieflage. Mehrere Sanierungsversuche scheiterten. 2012 wurde die Bank abgewickelt.

Auch im hohen Alter äußerte er sich in Gastbeiträgen und Zeitungsinterviews zur Finanz- und Bankenkrise und warnte vor dem großen Knall. Zuletzt war der Banker im Zuge des Streits um Kunstverkäufe bei der Portigon AG, der Rechtsnachfolgerin der WestLB, ein gefragter Gesprächspartner. Schließlich hatte er die ersten Werke der Sammlung erworben. „Ich kaufte die Bilder aus Lust und Freude“, sagte Poullain in der „Welt am Sonntag“.

Ende Oktober bekannte er sich zu seiner Verantwortung als Soldat im Zweiten Weltkrieg. „Unglaubliche Tugenden habe ich erlebt. Und sie haben uns alle ins Unglück geführt. Nein, aus dem Kriegs habe ich Ihnen nichts Positives zu berichten“, sagte Poullain in einer Diskussion mit Zeitzeugen in Münster. Mit 19 Jahren zog er in den Krieg, mit 23 musste er den Posten seines gefallenen Oberleutnants übernehmen. Damit trug er Verantwortung für 180 Männer.

Diese damals für ihn unerträgliche Last habe Einfluss auf seine spätere Laufbahn gehabt, sagte Poullain damals mit Tränen in den Augen. Er habe mit seinen Erfolgen im zivilen Leben wohl auch die Erlebnisse im Krieg kompensiert. „Die Aufgabe der Gegenwart besteht am Ende darin, aus der Geschichtsbetrachtung humane Erwartungshorizonte abzuleiten, nichts mehr und nichts weniger.“

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.