PETERSDORF - Vor 64 Jahren war Josef Potthast 17 Jahre alt. Vor 64 Jahren hat Josef Potthast einen Panzer vergraben. Keine alltägliche Arbeit. Mittlerweile ist der Petersdorfer 80 Jahre alt, doch das kuriose Unternehmen ist ihm in Erinnerung geblieben. Gemeinsam mit seinem Vater Hubert und dem Petersdorfer Bernhard Bauken und dessen Sohn Hans hat er damals die Hauptstraße wieder befahrbar gemacht.

Und das kam so: Im April 1945 rückten die kanadischen Truppen immer weiter Richtung Norden vor. Auf der Flucht machten die deutschen Soldaten alles, um das Weiterkommen der Feinde wenn nicht zu verhindern, dann doch zu erschweren. Als das vermeintlich letzte schwere Gerät Petersdorf verlassen hatte, begannen die Deutschen, direkt vor der Brücke über die Vehne, eine Panzersperre zu errichten. In diesem Fall wurde kein Hindernis gebaut, sondern ein Loch gegraben. „Die Brücke über die Vehne war viel schmaler als die Hauptstraße, also haben die Soldaten einen Graben links der Straßenmitte gegraben“, sagt Josef Potthast. Jedes Fahrzeug musste erst langsam den Graben umfahren und dann über die schmale Brücke. „Panzer sollten da schon nicht mehr durchgekommen“, erinnert sich der jüngere Bruder Otto Potthast (71). So war es tatsächlich: Ein deutscher Panzer rutschte in die eigene Falle. Weil das schwere

Gefährt nicht geborgen werden konnte, sprengten die Soldaten der Wehrmacht erst den Panzer, dann die Vehne-Brücke.

Nach dem Krieg wurde die Straße wieder gebraucht. Die Gemeinde bat Hubert Potthast um Hilfe. Er war der richtige Mann für diesen Job. Nicht nur weil er Wegevorsteher gewesen war, sondern auch weil er ein kleines Tiefbau-Unternehmen hatte und man auf seine Muskelkraft vertrauen konnte. „Mein Vater hat im Moor gearbeitet, täglich hat er 60 Kubikmeter Gräben ausgehoben“, sagt Josef. „Mit dem Spaten.“

An Ort und Stelle hat Hubert Potthast dann schnell entschieden, ohne Kran und schweres Gerät hilft nur eins: Eingraben. Und so begannen die vier Männer die ehemalige Panzersperre noch tiefer auszuheben. Damit der Panzer die Arbeiter nicht begrub, wurde der mit Pfählen abgestützt. Josef Potthast muss schmunzeln: „Bernhard Bauken wollte das Eingraben unbedingt verzögern. Er montierte noch alles mögliche vom Panzer ab.“ Noch Jahre später lagen Souvenirs bei Bauken auf dem Hof.


Als der Graben Hubert Potthast tief genug erschien, ließ man den Panzer rutschen. Und nun wurde auf der rechten Seite ebenfalls gegraben. Als auch auf dieser Seite der Graben tief genug war, sackte der Panzer ab. Josef Potthast zeigt mit seinen Händen eine Höhe: etwa 20 Zentimeter. „Wir hatten Glück. So viel Platz blieb, um der Straße über den Panzer zu bauen.“