PETERSDORF - Ein Panzer in der Straße. Nein, nicht auf der Straße: in der Straße. Das klingt für viele ungewöhnlich, aber manchem Petersdorfer dürfte das Phänomen bekannt sein. Denn bei den Sanierungsarbeiten an der Hauptstraße 1983 staunten die Straßenbauarbeiter nicht schlecht. Dort wo sie die alte Straße aushoben und die neue Straßendecke entstehen sollte entdeckten sie eine Panzerkette. Doch damit nicht genug. Der ganze Panzer schien im Straßenbett vergraben zu sein.

Otto Potthast (71) erinnert sich an die Zeit nach dem Krieg: „Auf der Straße, an der Vehne, im östlichen Teil stand ein zurückgelassener Panzer. Der wurde dann einfach in den Straßenkörper eingegraben, weil es kein Gerät für den Abtransport gab.“ Der Panzer wurde bei der Straßensanierung der Hauptstraße im Jahr 1983 wieder entdeckt.

Auch Josef Potthast erinnert sich an den Vorfall. Der 79-Jährige war damals vor 25 Jahren im Unternehmen des Vaters tätig: „Es muss sich um einen deutschen Panzer gehandelt haben. Es wurde erzählt, dass der Panzer beim Rückzug in Richtung Benthullen stecken geblieben ist.“ In der Petersdorfer Chronik von 1999 – anlässlich des 125-jährigen Bestehens herausgegeben – steht konkreter, dass die deutschen Truppen, die sich über Benthullen zurückzogen, im Ort Bäume sprengten und sogar die Vehnebrücke sprengten: „Das wurde bekanntlich einem verspätet zurückweichenden Kettenfahrzeug zum Verhängnis. Es blieb in der Vehne stecken und wurde stehen gelassen.“ Die Petersdorfer haben dann das Fahrzeug weiter eingegraben, „Bohlen darüber gelegt und Bretter befestigt.“ Zuvor soll der Panzer gesprengt worden sein, erinnert sich Josef Potthast. Der Grund: Das Kettenfahrzeug sollte nicht den nachrückenden kanadischen Truppen überlassen werden.

Hartnäckig hält sich bis heute das Gerücht, beim Panzer habe noch 1983 das Standlicht gebrannt habe. „Das ist wohl doch eher ein Witz“, sagt Ernst Meyer.

Kein Witz scheint zu sein, dass der Panzer auch geborgen wurde, weil man an das Eisen wollte. „In so einem Panzer steckt viel Eisen“, sagt Josef Potthast.


Rückblick: Am 16. April 1945 rücken kanadische Truppen von Aumühlen kommend auf der Hauptstraße und dem Oldenburger Weg Richtung Petersdorf vor. Der Ort wird kampflos übergeben.