PETERSFEHN - Wenn man mit Sigurd Sauer über seine Leidenschaft spricht, wird eines schnell klar: Der Mann ist vom Fach. Geht es um Fluggeräte mit Rotor, sprudeln die technischen Details nur so aus dem 71-jährigen Pensionär, immerhin auch gelernter Triebwerktechniker und früher Werkstattleiter der Oldenburger Carl-von-Ossietzky-Universität.

Erst kürzlich waren seine Fähigkeiten und Kenntnisse über kleine und große Hubschrauber wieder gefragt. Für das Hubschraubermuseum in Bückeburg (Landkreis Schaumburg) hat der Petersfehner einen sogenannten Gyrokopter, einen einsitzigen, geschlossenen Tragschrauber der Firma Rotortec aus dem Allgäu, eigenhändig zusammengebaut.

Bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin 2008 hatte Sauer den Betriebsleiter des bayerischen Tragschrauber-Herstellers kennengelernt. Dieser war fasziniert von seinem Fachwissen über die „Focke Achgelis FA 330 Bachstelze“, einem im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Tragschrauber. Und noch größer war dessen Interesse an den technischen Unterlagen über den historischen Mini-Helikopter, die sich in Sauers Besitz befanden.

Schnell war ein Handel vereinbart: Als Gegenleistung für die Unterlagen würde Rotortec ihm Neuteile für einen hochmodernen Gyrokopter des Typs „Dauzer I“ zur Verfügung stellen. Die einzige Bedingung war, dass Sauer diesen selbst zusammenbauen musste.

Die ersten Arbeiten erfolgten im Sommer des vergangenen Jahres auf dem Firmengelände in Görisried. Weil aber Motor, Auspuff und Schubpropeller nicht gleich verfügbar waren, wurde der halb fertige Gyrokopter nach Petersfehn gebracht.


„In der Werkstatt hinter meinem Haus habe ich die Montage dann abgeschlossen, als die Teile da waren“, erzählt Sauer. Immer mit dabei: Ehefrau Waltraut. „Sie hat mit angepackt, wenn einmal mehr als zwei Hände benötigt wurden. Ohne ihre Hilfe wäre es wohl auch nicht gegangen.“

Etwa 40 Stunden Arbeit stecken in dem Gyrokopter. Und obwohl das Ehepaar diese komplett alleine geleistet hat, käme es Sigurd Sauer nicht in den Sinn, den Tragschrauber für sich zu behalten. „In meinem Alter trennt man sich leichter von Dingen“, sagt er.

Für ihn war von Beginn an klar, dass er das Fluggerät am Ende an das Bückeburger Hubschraubermuseum übergeben würde. „Die Allgemeinheit soll etwas davon haben. Und es macht mich schließlich ja auch froh, wenn ich weiß, dass sich die Leute daran erfreuen können.“

Nun war es soweit: In Bückeburg haben Waltraut und Sigurd Sauer den Gyrokopter seinem Bestimmungsort übergeben. Künftig ist er im Museum von Leiter Dieter Bals zu besichtigen. Und auch die alte „Bachstelze“ aus dem Jahr 1942, die er ebenfalls selbst zusammengesetzt hat und durch die er den Gyrokopter überhaupt erst geschenkt bekommen hatte, wird Sauer bald abgeben. Sie will er dem Deutschen Luftschiff- und Marinefliegermuseum „Aeronauticum“ in Nordholz bei Cuxhaven zukommen lassen.