PETERSFEHN - Ganz so schwierig hatte Ingo Meyer sich das dann doch nicht vorgestellt. Immerhin hatte der Petersfehner Sütterlin noch in der Schule gelernt. „Aber jeder hat eine andere Handschrift“, stellte der Petersfehner schnell fest. Und so wird das „Projekt Protokollbücher“ doch etwas aufwendiger.
Nachdem bei den Vorbereitungen der Feier zum 125-jährigen Bestehens der Kyffhäuserkameradschaft Petersfehn – gefeiert wird am Sonntag, 25. März, mit einem Empfang im Landgasthaus Bischoff – ein altes Protokollbuch zum Vorschein kam, dachte der Vorstand daran, die Ereignisse aus den Anfangsjahren auch für die Gegenwart und die Zukunft in verständlicher Form aufzuarbeiten. Und verständlich heißt vor allem lesbar.
Meyers Frau Ursula ist Kassenwartin im Verein. Und er kann alte deutsche Schrift lesen. Wann genau sich jemand die Mühe gemacht hatte, die Protokolle der Jahre 1887 bis 1935 fein säuberlich in die Kladde zu schreiben, weiß Meyer bisher nicht. So viel aber schon: „Es ist schon interessant, was seinerzeit interessant war.“ So ist zu lesen, dass die erste Fahne im Gründungsjahr 250 Mark gekostet hat, die 1888 eingeführte „einheitliche Kopfbedeckung“ 2,50 Mark pro Mütze, „wovon 1 Mark aus der Vereinskasse zurück vergütet wurde“.
Auch gibt das Buch auf rund 200 Seiten einen Überblick über den wechselvollen Namen des Vereins: Der hieß bis 1920 „Kriegerverein im Westen der Landgemeinde Oldenburg“. Von 1920 bis 1935 trafen sich die Mitglieder im „Krieger- und Kampfgenossenverein Petersfehn“, bevor sie 1935 Teil des „Deutschen Reichskriegerbund (Kyffhäuser) Soldatenkameradschaft“ waren. Erst seit den 90er Jahren heißt es „Kyffhäuserkameradschaft Petersfehn“.
Und die stand nach wechselvoller Geschichte 2008 kurz vor dem Aus. Der damalige Vorsitzende Fritz Bunjes hatte keinen Amtsnachfolger finden können. Bis der Kreisverband Susanne Busch fragte. Die war zuvor Mitglied der Kyffhäuserkameradschaft Bad Zwischenahn, dort und im Kreis langjährige Schießwartin, in Bokel zudem Vorsitzende. Und dieses Amt bekleidet sie seit Juni 2008 auch in Petersfehn.
Heute sind es nicht nur im Vorstand vor allem die Damen, die den Verein tragen: 49 Mitglieder zählen die Petersfehner Kyffhäuser. „Fast nur Frauen“, wie die Vorsitzende betont. Und dass, obwohl diese erst seit 1976 aufgenommen werden.
Schwierig sei vor allem die Gewinnung junger Mitglieder, weiß die Vorsitzende. Auch wenn sie seit der Amtsübernahme 18 Neuaufnahmen zu verzeichnen hat. „Unser jüngstes Mitgied ist 50, das älteste 91.“ Wer Interesse hat, mit anderen Petersfehnern etwas zu unternehmen, kann jeden zweiten Donnerstag im Monat im „Café Buntspecht“ vorbeikommen oder sich unter Telefon 04486/916276 bei der Vorsitzenden über den „traditionsbewussten Verband, der Altes bewahrt und Neues schafft“ informieren.
Helfen soll auch ein wenig der Aktenordner, der die Geschichte des Vereins künftig auch für jüngere Menschen verständlich macht. Fünf Seiten hat Meyer bereits in die moderne Schrift und in den Computer übertragen.
