Brake - Wenn die Braker in ihren Betten liegen und friedlich schlafen, erreicht schwere Fracht den Hafen: Komponenten von Windenergieanlagen. Für die Begleitung der nächtlichen Schwertransporte ist seit einem guten halben Jahr nicht mehr die Polizei zuständig, sondern eine auf solche Dienstleistungen spezialisierte Privatfirma. Die NWZ hat nachgefragt, wie die als Pilotprojekt genehmigten Schwertransporte ohne Polizeibegleitung laufen. Ergebnis: Es gibt keinerlei Probleme; die Regelung habe sich bewährt, heißt es von allen Beteiligten.
Vom Boom der Windenergiebrache profitiert auch der Braker Hafen, über den Flügel, Maschinenhäuser und andere Komponenten von Windkraftanlagen verschifft werden. Die Zahl der Transporte, die in der Nacht über die Bundesstraßen 437 und 212 rollen hat erheblich zugenommen – alleine in den Jahren von 2011 bis 2012 war sie von 668 auf 1446 angestiegen. Die Folge: Die bislang für die Begleitung der Schwertransporte zuständige Polizei war an ihre Belastungsgrenze gestoßen.
Dank eines Erlasses des niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, der im vergangenen Jahr auf Initiative der Polizei in der Wesermarsch ergangen war (die NWZ berichtete), kann die Begleitung nun eine Firma übernehmen. Der Hafenbetreiber Niedersachsen Ports hatte europaweit diese Arbeit ausgeschrieben. Den Zuschlag hatte die Firma Universal Transport mit Sitz in Paderborn bekommen.
450 Transporte
Die Spezialisten von Universal Transport haben auf den rund 25 Kilometern zwischen der Autobahnauffahrt Stotel (Kreis Cuxhaven) und dem Braker Hafen inzwischen viel Erfahrung gesammelt. Bis Anfang Dezember hatten sie laut Projektmanager Andreas Winkelhoch rund 450 Schwertransporte auf der Strecke begleitet. Der bisherige Rekord seien sieben Transporte in nur einer Nacht gewesen, berichtet Winkelhoch. Sein Fazit bislang: „Von unserer Seite aus läuft alles sehr gut.“
Das kann Hartmut Wolberg von J. Müller Breakbulk nur bestätigen. „Ich habe keinerlei Beschwerden erhalten“, sagt er. Auch die Sorge, dass dem Hafen durch die neue Regelung ein Wettbewerbsnachteil entstehen könnte, habe sich als unbegründet erwiesen.
Die Kunden müssen jetzt zwar mehr zahlen, weil ihnen die Dienste der Spezialfirma in Rechnung gestellt werden. Das werde aber akzeptiert, zumal Universal Transport eine reibungslose Abwicklung garantieren könne, sagt Wolberg. Bei der Begleitung durch die Polizei sei es vorgekommen, dass ein Streifenwagen unvermittelt zu einem anderen Einsatz abkommandiert wurde – mit dem Ergebnis, dass der Schwertransport auf halber Strecke warten musste.
75 Meter lange Brummis
Was zwischen 22 und 5 Uhr nachts – das ist das Zeitfenster für Universal Transport – über die Straßen der Wesermarsch läuft, ist gigantisch: Schwertransporter mit Maschinenhäusern an Bord bringen es auf ein Gewicht von 130 Tonnen. Bei den Transportern, die Flügel zum Hafen bringen, beeindruckt die Länge: 75 Meter messen die XXL-Brummis.
Die neue Regelung läuft auch aus Sicht der Polizei gut: Nachdem Kleinigkeiten nachgebessert wurden, sei alles im grünen Bereich, sagt Kommissariatsleiter Klaus Lücke, der froh ist, dass sich seine Beamten wieder auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.
