Cloppenburg - Ein geradezu leidenschaftliches Plädoyer für das Elektroauto hat am Mittwochabend der Geschäftsführer der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg GmbH, Raimund Nowak, im städtischen Planungs-, Umwelt- und Energieausschuss gehalten. Zu der Gesellschaft gehört das „Amt electric“, das das „Schaufenster Elektromobilität“ präsentiert.

Bislang sind im Autoland Deutschland 25 000 Elektroautos zugelassen. Bis 2020 soll die Zahl – nach einer von der Bundesregierung ausgegebenen Zielvorstellung – bei einer Million liegen. Das wären auf Cloppenburg heruntergerechnet 400. Um dies zu erreichen, müsse die Stadt noch eine Menge Anstrengungen unternehmen. Unter anderem müsse sie selbst ihren Fuhrpark auf Elektromobilität umstellen und dabei keine „Symbolpolitik“ betreiben. Das heißt, dass die Autos nicht nur an der Stromtankstelle vor dem Rathaus stünden, sondern auch liefen.

Denn dann würde das E-Auto seine deutlich höheren Anschaffungskosten gegenüber dem Benziner wieder einfahren, ab 20 000 Kilometer Jahreslaufleistung sei das Elektrofahrzeug wirtschaftlicher, so Nowak. Das wollte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU) nicht glauben. Der Gegner des E-Autos in Sachen Klimaschutz sei nicht der Benziner, sondern das Erdgasauto, das genauso umweltfreundlich und dessen Betankung nur geringfügig teurer sei. Und das Erdgasauto koste weit weniger als der – auf Grund der Batteriekosten – zu teure E-Wagen.

Außerdem vermied es Nowak zu erwähnen, dass, wie von Kritikern von E-Autos oft thematisiert, die Reichweite – besonders im Winter und/oder bei höherem Tempo – in der Praxis oftmals viel niedriger ist als von den Herstellern in der Theorie versprochen. Insbesondere bei Überlandfahrten soll es zu Problemen kommen. Keine Auskünfte erteilte er zudem über die Haltbarkeit der teuren Batterien im Alltag. „Aber die Preise werden bald deutlich sinken“, glaubt Nowak.

Beim Bau von Stromtankstellen will Nowak private City-Unternehmen mit ins Boot holen, die – um Kunden in ihr Geschäft zu locken – kostenloses Stromnachtanken anbieten können. Eine Schnellladestation kostet zwischen 25 000 und 30 000 Euro. Die einfache, an denen Ladevorgänge bis zu acht Stunden dauern, liegt dagegen bei rund 2000 Euro. „Sie müssen mit dem Handel oder der Gastronomie reden“, forderte Nowak die Stadtverwaltung auf.


„Sind Sie heute von Hannover mit dem Elektroauto nach Cloppenburg gekommen?“, fragte denn auch Bürgermeister Wiese den Elektroauto-Fan Nowak. „Nein, ich bin mit der Bahn gefahren.“

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland