Oldenburg - Alternativlos. Gnadenlos. Fassungslos. Für die Pläne der Stadt, das Haus der Jugend abzureißen, gibt es viele Worte. Sprachlos war im Jugendhilfeausschuss am Mittwochabend zumindest kaum ein Mitglied.
Warum es für das Gebäude an der Alexanderstraße/Ecke von-Finckh-Straße keine Zukunft mehr gebe, fragt Germaid Eilers-Dörfler in den Raum. Am liebsten wolle die SPD-Ratsfrau das direkt vom Oberbürgermeister erfahren. Ein Erhalt des sanierungsbedürftigen Bauwerks aus den 60er Jahren würde sich nicht lohnen – zu teuer, sagt die Verwaltung.
Man suche nach Lösungen und geeigneten Standorten. „Wieso nicht neu bauen auf dem alten Gelände?“, wirft die Grünen-Fraktion ein, die das Thema per Eilantrag in die Tagesordnung hatte aufnehmen lassen. Abwarten mag mit den drängenden Fragen niemand. Spätestens Anfang 2019 werden Jugendherberge, VHS-Jugendwerkstatt, Amt für Jugend und Familie und Stadtjugendring ihre Schlüssel in einer anderen Tür umdrehen müssen. Wo das sein wird, ist noch völlig offen.
Im Gespräch ist ein Neubau an der Schlieffenstraße im Quartier der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne, wo bereits der Verein Jugendkulturarbeit angesiedelt ist. „Ewig Platz haben wir da auch nicht“, sagt Simon Kurka. Der Vorsitzende des Stadtjugendringes weiß, wie hart eine räumliche Reduzierung die jungen Menschen treffen wird, die sich seit 20 Jahren an der von-Finckh-Straße treffen. Mittlerweile sei das eine feste Adresse. Gerade die Pfadfindergruppen seien auf die großzügigen Außenflächen in Bürgerfelde angewiesen. „Wenn es gut läuft, bekommen wir 550 Quadratmeter“, sagt der 24-Jährige – „das ist die Hälfte von dem, was wir jetzt haben.“
Die Verwaltung würde den Stadtjugendring mit seinen 24 Verbänden gnadenlos runterreduzieren. „Das kann nicht gut gehen.“ Simon Kurka spricht von Alleingängen der Stadt. Zuspruch bekommt er von Hannelore Kleemiß. „Da wird hinter verschlossen Türen irgendwas zurecht diskutiert“, sagt das Vorstandsmitglied vom Verein für Kinder. Dabei sei es endlich Zeit, den Belangen der Jugend mehr Gewicht zu geben. „Da ist in dieser Stadt noch viel Luft nach oben.“
Heinz Backhaus warnt: „Man soll bitte nicht auf die Idee kommen, all diese inhaltlich miteinander verwobenen Einrichtungen in verschiedene Stadtteile zu verlegen. Das wäre der größte Fehler überhaupt.“ Das SPD-Mitglied appelliert à la Trump: „Think big“. Überhaupt erstmal Zeit zum Nachdenken erbittet sich Dagmar Sachse. „Wir liefern Ihnen Vorschläge“, verspricht die Sozialdezernentin. Und ja: ein runder Tisch, an dem alle Beteiligten Platz hätten, wäre geplant.
Auf Germaid Eilers-Dörflers Frage, wer da mitwirken dürfe und wer welche Krone auf dem Kopf hätte, gibt es vorläufig keine Antwort. Letztlich wird es zwei Gremien geben: In einem beraten die Mitglieder des Bauausschusses über die Nachnutzung des Geländes, die andere Gruppe wird sich mit den Interessen der Jugend befassen. „Und bitte den Bedarf ermitteln“, fordert Hannelore Kleemiß. „Am besten bevor nach Grundstücken gesucht wird“.
Der Bedarf ist groß, sagt Simon Kurka, spricht von langfristig geplanten Projekten und Ideen, die wohl erstmal keinen Raum zum Wachsen hätten. Für den Stadtjugendring wünscht er sich zwei Stühle am runden Tisch. Seite an Seite mit denen, „die eine klare Meinung haben“. „Und wie machen wir das jetzt praktisch“, fragt Hannelore Kleemiß voller Tatendrang. Während der Sitzung könne das Gremium nicht gebildet werden. „Wir werden uns melden“, sagt die Verwaltung, „dann haben wir was in der Hand und keiner muss in den luftleeren Raum diskutieren.“
Richtig glauben mag Simon Kurka das nicht. Für ihn steht fest: „Wir würden am liebsten bleiben.“ Alternativlos.
