Neuscharrel - Es war eine Infoveranstaltung ohne wirkliche Infos. Weil beim Thema Flüchtlinge derzeit viel spekuliert werden muss. „Wir wissen nicht, wer kommt oder wie viele kommen“, wiederholte Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann mehrfach. Klar ist nur: Sollten die Zuweisungen im kommenden Jahr kräftig zunehmen, wird der Wohnraum knapp. Dann könnte das Jugendheim Neuscharrel als Notquartier benötigt werden.
Rund 200 Anwohner waren am Donnerstagabend auf Einladung der Stadt ins besagte Jugendheim gekommen. Die ersten Gerüchte waren deutlich schneller. „Die Bühne wird natürlich nicht abgerissen“, trat Stratmann solchen Behauptungen gleich entgegen. Das Heim ist Teil einer Wenn-Dann-Strategie, „damit wir für den Fall der Fälle was in der Tasche haben“, erläuterte der Bürgermeister. Denn die derzeitige Zuweisungsquote gilt nur bis Januar. Sollte danach eine deutlich höhere Zahl an Flüchtlingen aufgenommen werden müssen, werden Flüchtlingsheime und Wohnungen kaum ausreichen. Darum nimmt die Stadt schon jetzt Alternativen in den Blick. „Wir haben alles auf dem Schirm“, versicherte Stratmann. Zum Beispiel auch die kleine Tennishalle in Frie-soythe.
Neuscharrel sei zudem nicht die einzige Option, auch auf andere Ortschaften würden Veranstaltungen dieser Art noch zukommen. Dass man im Jugendheim beginne, habe noch nichts mit einer Rangfolge bei der Wahl einer Unterkunft zu tun, betonte der Bürgermeister. „Falls nächstes Jahr die doppelte Quote kommt, dann brauchen wir alle Ortschaften.“
Probleme haben viele Anwohner mit der Aussicht, eine Massenunterkunft mit vielen jungen Männern zu bekommen – und das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Grundschule. Sie sehen darin Potenzial für Konflikte und Gewalt vor den Augen der Kinder.
Stratmann verwies darauf, dass man seit der Eröffnung des Flüchtlingsheims in Frie-soythe keinerlei Probleme gehabt hätte. Erste Stadträtin Heidrun Hamjediers vertrat die Ansicht, dass Flüchtlinge, die auf Kriminalität und Gewalt ausseien, sich nicht in kleinen Gemeinden niederlassen würden. „Die schlimmen Sachen, die man im Fernsehen sieht, die passieren in Großstädten.“ Antwort aus dem Publikum: „Die Angst kann uns heute hier keiner nehmen.“
Sauer stieß vielen Neuscharrelern zudem die Aussicht auf, das Jugendheim als Veranstaltungsort zu verlieren. Gruppen, Vereine und Privatpersonen nutzen den Raum für Feste, Versammlungen und Sport. „Das gesamte öffentliche Leben ist fokussiert auf diesen Punkt“, so eine Wortmeldung.
„Ich habe keinen Spaß daran, Ihnen irgendetwas wegzunehmen“, antwortete Stratmann. Er rief dazu auf, über Alternativstandorte für den Fall der Fälle nachzudenken, zum Beispiel bei Vereinen oder der Kirche. Die Hoffnung bleibe, dass dieser Plan B nicht benötigt werde.
