Wangerland - Fynn (5) füllt salziges Wasser in einen kleinen roten Spielzeugeimer und trägt ihn behutsam von einer Meerwasserpfütze zur anderen. Dabei graben sich seine kleinen Zehen in den Matsch. Der Matsch ist natürlich das Watt vor dem Strand von Hooksiel und Fynn macht dort mit seinen Eltern Thomas und Ines Niemeier und seiner kleinen Schwester Lya (1) zwei Wochen Urlaub.

Dass sich der Junge so frei im Watt bewegt, davon war er am Tag zuvor noch weit entfernt: „Er fand das Watt ekelig und hatte Angst auf einen Wattwurm zu treten“, meint seine Mutter Ines Niemeier und lacht.

Davon ist jetzt keine Spur mehr: Munter stapft der Kleine durch den Schlamm. Und Fynn ist offenbar nicht der einzige, der Gefallen am Weltnaturerbe Wattenmeer gefunden hat. Unzählige Menschen sind im grau-braunen Watt als bunte Punkte auszumachen und auch der Strand ist rappelvoll.

So stapfen auch Hayrettin und Nadine Lojewski aus Gladbeck mit Söhnchen Timur (3) dem Meer entgegen. Rund zehn Minuten müssen sie laufen, bis sie am Wasser sind. „Das stört mich gar nicht“, meint Hayrettin Lojewski. Man wisse doch, dass sich an der Nordsee das Wasser bei Ebbe zurückziehe. „Für Kinder ist es ein Paradies“, meint Nadine Lojewski.

Zu einer geführten Wattwanderung bricht auch Familie Specht aus Filsum auf. „Es ist unsere erste Wattwanderung“, sagt Bettina Specht. Aufgeregt sei sie deswegen aber nicht. „Ich schon“, ruft Wiebke (10) dazwischen. „Der Matsch ist cool, aber die Wattwürmer stelle ich mir glibberig vor.“


Das Ehepaar Teiwes mit Marion Ahrens, Ingrid Frey und Till, Tabea und Jannik kommen aus der Region und machen sich nicht viel aus dem Watt: „Wir kennen es nicht anders und liegen lieber am Strand“, meinen sie.

So voll, wie es dieser Tage am Strand von Hooksiel ist, ist es auch im restlichen Jeverland: Volle Strände, volle Restaurants, volle Hotels – so präsentiert sich zurzeit das Wangerland. Aber auch in Jever tummeln sich Touristen.

Die Überschneidung der Sommerferien in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen sowie das gute Wetter sind Friedo Gerdes von der Wangerland-Touristik zufolge mitverantwortlich für die vielen Besucher an der Nordseeküste. „Das freut uns natürlich sehr und wir gehen davon aus, dass wir die Übernachtungszahlen von rund 1,9 Millionen im vergangenen Jahr halten können“, meint er.

Einen leichten Rückgang vermutet Gerdes aber bei den Campern, die auf Grund des eher durchwachsenen Sommers und der unsicheren Wetterprognosen weniger zahlreich angereist seien.

Auch Wangerooge platzte in den vergangenen Tagen aus allen Nähten: „Jetzt noch einen Schlafplatz auf der Insel zu bekommen, ist schwer“, meint Sabrina Illig von der Kurverwaltung Wangerooge.

Der bisherige Höhepunkt sei der vergangene Sonntag gewesen, da konnte Wangerooge auch dank der -Leserfahrt (die  berichtete) insgesamt rund 1600 Tagesgäste begrüßen.  „Da war richtig was los“, meint Sabrina Illig.

An bedeckten oder windigen Tagen beobachtet Meike Theesfeld von der Jever Marketing und Tourismus GmbH eine volle Innenstadt: „Wenn das Wetter an der Küste nicht ganz so schön ist, kommen die Urlauber zu uns.“

Aber die Auslastung bei Übernachtungen liege auch in Jever derzeit bei rund 90 Prozent.