Wiefelstede - Die große Karriereleiter wollte er nie heraufklettern. Lieber in seinem eigenen Revier für Ordnung sorgen, das war mehr als 40 Jahre lang das Ziel von Heiko Tietjen. „Ich bin bodenständig“, sagt er über sich selbst. Jetzt tritt der bekannte Polizeioberkomissar in den Ruhestand. Am Donnerstag hatte er offiziell seinen letzten Arbeitstag. Sein Schreibtisch ist geräumt. Komisch sei es schon, gibt er zu. „Aber ich freu mich auch auf morgen.“
Ab diesem Freitag befindet sich der ehemalige Polizeibeamte im Unruhestand, wie er selbst sagt. Dann wird er mehr Zeit für die Familie haben. Seinem Sohn wird er in der Landwirtschaft helfen, und dann sind da ja noch die Enkel. Bewegungsmangel wird bei ihm nicht aufkommen. „Ich habe mir ein E-Bike gekauft“, erzählt der 62-Jährige.
Dass Tietjen von nun an nicht mehr im Dienst ist, wird sich wohl schnell bemerkbar machen – schließlich ist der Polizist in seiner Heimatgemeinde Wiefelstede sehr bekannt. Und weil er so heimatverbunden ist, hat er den Nordwesten nie richtig verlassen. „Ich bin nicht viel rumgekommen“, sagt Tietjen mit einem Lächeln. Aber das hatte er auch nie vor.
Nachdem er zwei Jahre lang bei der Bundeswehr war, bewarb er sich 1976 im Alter von 22 Jahren auf eine Ausbildungsstelle bei der Polizei. Eigentlich ist er auf einem Bauernhof groß geworden, ist gelernter Landwirtschaftsgehilfe. Trotzdem interessierte er sich schon immer für die Polizei. „Und dann wurde ich genommen. So etwas lehnt man nicht ab.“
Bis April 1983 war er in Oldenburg tätig: als Polizeiwachtmeister, Bereitschaftspolizist, Sachbearbeiter im Streifendienst. 14 Jahre arbeitete er in der Polizeistation Rastede, bevor er seine restlichen Dienstjahre in Wiefelstede verbrachte.
Offiziell verabschiedet wurde Tietjen am Donnerstag im Gasthof Rabe. Vorerst wird der Gemeinde also ein Ordnungshüter fehlen. Aber vielleicht hat sie dafür einen engagierten Sänger gewonnen: Heiko Tietjen möchte auch zukünftig in seinem Gospelchor „Soul Inside“ aktiv bleiben.
