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Politik als Bereicherung

In vielem ist die Gemeinde Ganderkesee etwas ganz Besonderes! In einem ist sie, so glaube ich, bestimmt einmalig. Mit unserer hauptamtlichen Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas, der ersten Stellvertreterin Christel Zießler und der zweiten Stellvertreterin Elke Röhl haben wir ausschließlich Frauen an der Spitze unserer Gemeinde – das soll uns erst einmal einer nachmachen. Während Alice Gerken-Klaas und Christel Zießler schon länger ihre Ämter bekleiden, ist Elke Röhl „erst“ nach der letztjährigen Kommunalwahl zur zweiten Stellvertreterin gewählt worden.

Elke Röhl wurde 1944 als Elke Sagers im Sudetenland (Glatzer Bergland) geboren. Ihre Familie stammt eigentlich aus Essen im Ruhrgebiet. Weil aber im Zweiten Weltkrieg die Grafschaft Glatz von Kampfhandlungen und Zerstörungen verschont blieb, wurden Ausgebombte aus Deutschland hierher evakuiert, wie auch die Mutter von Elke, Betti Sagers. Nach Kriegsende mussten sie das Sudetenland wieder verlassen und so zogen sie und viele andere Menschen zu Fuß, nur mit einem Handwagen, in einem großen Treck wieder nach Deutschland zurück. Ihren ersten Geburtstag musste die kleine Elke daher auf der Straße feiern. Insgesamt waren sie vier Wochen unterwegs, bis sie wieder in ihrer Heimatstadt Essen waren. Elke Röhl kann sich daran natürlich nicht erinnern, weiß aber, dass ihre Mutter mit einigen ihrer Leidensgenossinnen Freundschaft geschlossen hatte und sie noch viele Jahre Kontakt hatten.

Die junge Familie Sagers hatte Glück, denn nicht nur Mutter und Tochter kamen wieder wohlbehalten zu Hause an, sondern auch Vater Alfred war gesund aus dem Krieg zurückgekehrt. 1946 wurde Elkes Schwester Bärbel und 1951 ihr Bruder Manfred geboren. Obwohl es in der Nachkriegszeit noch nicht viel gab, erinnert sich Elke gerne an diese Zeit zurück. „Wir Nachbarskinder haben immer draußen gespielt und wir haben immer zusammengehalten!“. Nach der Grundschulzeit ging sie zur Realschule. Das bedeutete aber jeden Tag einen Fußweg von jeweils einer halben Stunde hin und wieder zurück.

Mädchen und Jungen wurden getrennt unterrichtet. In der einen Woche hatten die Mädchen nachmittags und die Jungen vormittags Unterricht. In der anderen Woche war es dann umgekehrt. Auf dem Hinweg bzw. Rückweg begegneten sich die Jungen und Mädchen und schon damals fand Elke einen Jungen besonders nett – er hieß Winfried Röhl.

Nach dem Abschluss an der Realschule begann sie 1960 eine Lehrstelle als Groß-und Einzelhandelskauffrau in einem Geschäft für Schmuck und Uhrenersatzteile. Nach der erfolgreichen Ausbildung machte sie ihr Chef zur Chefsekretärin. In diesem Betrieb arbeitete ebenfalls als Groß- und Außenhandelskaufmann ein gewisser Winfried Röhl. Da sie den gleichen Heimweg hatten, kamen sich die beiden näher, so dass 1965 geheiratet wurde. 1967 wurde Tochter Heike geboren und 1970 machten die Zwillinge Kerstin und Andrea das Dreimädelhaus komplett.


Eine glückliche Familie, eigene Wohnung in der Nähe der Eltern, das Glück war perfekt. Dann bekam Winfried Röhl 1973 das attraktive Angebot, seine Firma in Norddeutschland zu vertreten. Nach einem „Kriegsrat“, wie mir Elke erzählte, entschloss sich die junge Familie, nach Norddeutschland zu ziehen, und hier schien Bookholzberg wegen der Nähe zur Autobahn ideal zu sein. Die Kinder knüpften gleich Freundschaften und auch Elke fühlte sich auf Anhieb in der Gemeinde Ganderkesee sehr wohl. Einige Jahre später bezog Familie Röhl ihr eigenes Haus Am Donnermoor. Im Jahr 2000, als die Kinder schon aus dem Haus waren, bauten sich Elke und Winfried Röhl schließlich ihr jetziges Haus am Marderweg.

Die Familie Röhl ging oft und gern auf Reisen. Ganz besonders gerne erinnert Elke sich an die Safari in Kenia. „Die Weite und der Himmel dort sind ein Traum und einfach nur schön“, schwärmt sie noch heute. Auf Texel in Holland hat das Ehepaar Röhl seinen Wohnwagen mitten in den Dünen stehen. Bis zur Nordsee sind es nur wenige Meter. Sehr gerne zieht sich das Ehepaar Röhl dorthin zurück. Die beiden freuen sich, wenn sie von ihren Kindern und dem Enkelsohn Lukas dort besucht werden.

Mitte der 80er Jahre wurde Elke von der Vorsitzenden der Frauenunion, Irmgard Kruse, ermuntert, für die Kommunalwahl zu kandidieren. Auf Anhieb schaffte sie es 1986 in den Gemeinderat und in den Kreistag einzuziehen. „Ich habe gerade Jochen Selke viel zu verdanken, von dem ich in der Anfangszeit viel gelernt habe“, verrät sie mir. Damals wie heute liegt ihr ganz besonders das Wohlergehen von Familien und auch die Anliegen von Senioren sehr am Herzen. „24 Jahre bin ich nun schon politisch aktiv, ich habe es nie bereut. Ich habe viel gelernt und viele Menschen kennengelernt. Es ist eine große Bereicherung in meinem Leben“, erzählt Elke Röhl mir zum Abschluss.

Elke Röhl,

2. stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Ganderkesee (CDU)
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