Augustendorf - Auf Elke Striowkys Hof herrscht reges Treiben. Wer Berührungsängste mit Tieren hat, sollte bei einem Besuch in Augustendorf besser tierisch aufpassen. Knapp 60 Tiere tummeln sich auf der drei Hektar großen Mensch-Tier-Oase.
Für die 57-Jährige bedeutet die Arbeit mit Hunden, Katzen, Schweinen, Ziegen, Ponys und Eseln kaum Zeit zum Verschnaufen: „Der Tag beginnt um sechs Uhr morgens, dann braucht das Fohlen seine Flasche, und endet um 24 Uhr wieder mit dem Fläschchen. Dazwischen muss ich alle Bewohner unter einen Hut bekommen.“
Doch ihr 18-Stunden-Tag macht ihr sichtlich Spaß. „Alle Tiere werden artgerecht gehalten, keins davon im Käfig“, betont Striowsky. Ihre große Liebe gilt jedoch besonders den Schweinen, mit denen ihre Leidenschaft für die Arbeit mit Tieren begann. Als Kind wohnte die Tierpsychologin mit ihrer Mutter in einer Wohnung über einer Schlachterei. Schon damals kam ihr der Gedanke, dass sie später auf jeden Fall einmal ein Schwein vor so einem Schicksal bewahren möchte.
Vor 14 Jahren wurde ihr Traum wahr. Zum Geburtstag schenkte ihr Mann ihr zwei Mastschweine, um die sich Elke Striowsky auf ihrem Gnadenhof bis zu ihrem natürlichen Ableben kümmerte. Aus anfänglich zwei Schweinen wurden viele. Und ihre Tierliebe endete nicht dort. Auf dem Gnadenhof für Nutztiere sollen „alle Tiere in Ruhe und Frieden alt werden und sterben können“. Mittlerweile hat die 57-Jährige mehr als 100 Schweine vermittelt oder betreut, zehn davon leben derzeit auf dem Hof.
An den Borstentieren reize sie besonders deren Intelligenz. „Ein Schwein ist dreimal so intelligent wie ein Hund. Es lernt deutlich schneller“, so Striowsky. Diese Aussage beweist immer wieder gerne das Zirkusschwein Theolino. Das Minischwein rollt Teppiche auf, geht durch Tunnel und über Wippen oder besticht beim Würfelspiel durch sein Können. Alle seine Tricks habe Theolino in weniger als einer halben Stunde gelernt.
Um die Kosten für den Gnadenhof zu decken, betreibt die Tierpsychologin eine Hundeschule und bietet Führungen sowie Kindergeburtstage an. Ansonsten wären die Kosten nicht zu decken. Ihre Gäste seien immer wieder erstaunt, wie zahm die Borstentiere, die zum Teil 400 Kilogramm schwer werden, sind, erklärt Striowsky. Ihr Ziel: „Ich möchte den Menschen zeigen, dass nicht nur Hund und Katze Liebe zurückgeben. Auch eigentliche Nutztiere haben einen gerechten Umgang verdient, auch im hohen Alter.“
