Galileo Industries
Galileo Industries
ist ein Joint-Venture der Firmen Alcatel Alenia Space SAS (Frankreich), Alacatel Alenia Space SpA (Italien), EADS Astrium (Deutschland), EADS Astrium (England), Galileo Sistemas y Servicios (Spanien) und Thales (Frankreich). Unternehmensziel ist es, das Navigationssystem Galileo aufzubauen. Firmensitz istOttobrunn.
Der Manager ist Chef von Galileo Industries. Die Wochenenden daheim geben ihm die notwendige Kraft.
Von Markus Minten
HOYKENKAMP - Paris, Moskau, Rom, zwischendurch immer wieder Ottobrunn bei München – für Günter Stamerjohanns eine ganz normale Arbeitswoche. „Fliegen ist für mich wie Busfahren“ erklärt der Vorstandsvorsitzende von Galileo Industries. Bei „200 bis 250 Flüge im Jahr“ eine nahe liegende Einschätzung.Trotz, oder besser wegen all der Vielfliegerei und eines bewegten Berufslebens mit vielen Stationen, sind dem 56-Jährigen die Heimflüge am Wochenenden „sehr wichtig“. Großen Wert legt er auf „soziale Bindungen“ und meint damit neben dem Familienleben mit seiner Frau Waltraut und Tochter Birgit die enge Verbundenheit zu einer „sehr netten Nachbarschaft“ in Hoykenkamp. „Die sozialen Bindungen geben Kraft und Rückhalt“ sagt einer, der „gerne nach Hause kommt“ – „feste Punkte“ nennt er das. Und so sieht Stamerjohanns sich selbst „obwohl ich in der ganzen Welt herumfliege“ – ganz Niedersachse – als „erdverbundenen Menschen“.
Schon früh hat es den gebürtigen Wilhelmshavener in die weite Welt gezogen. Mit 16 Jahren ging er als Austauschschüler für ein Jahr in die USA – damals, in den 60er Jahren, ein eher ungewöhnlicher Schritt. Nach einem „wundervollen Jahr“ in einer Gastfamilie, zu der er heute noch familiären Kontakt pflegt, folgte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Bremen.
Mit Raumfahrt hatte der Teenager nicht viel am Hut. Außer, dass er wie viele seinerzeit den Wettlauf zum Mond fasziniert verfolgte. „Für mich war das unerreichbar“, blickt er zurück.
Die Möglichkeit in die Luft- und Raumfahrtbranche einzusteigen, bot sich erst 1981. Nachdem sein bisheriger Arbeitgeber die Produktion in Deutschland aufgegeben hatte, stand Stamerjohanns vor der Wahl: Umsiedeln in die USA oder neuer Job. Trotz aller Liebe zu dem Land („Ich kenne 30 Staaten, mehr als die meisten Amerikaner“) blieb er in Deutschland. „Wir sind hier besser aufgehoben“, ist er noch heute überzeugt.
Vom „kleinen Sachbearbeiter, ich war ja Außenhandelskaufmann“, arbeitete er sich bei der Bremer Erno Raumfahrttechnik hoch. Managementkurse hat er belegt, immer mehr Verantwortung gefordert und bekommen.
Ungeahnte Möglichkeiten boten sich der Raumfahrt nach der Wende. Stamerjohanns übernahm die Geschäftsführung der Rostocker RST und wandelte den militärischen 60-Mann-Betrieb erfolgreich um in ein Unternehmen, dass heute mit 150 Mitarbeitern „sehr erfolgreich arbeitet“. Und worauf Stamerjohanns stolz ist: „Der Kern der 60 Leute von damals ist heute noch im Betrieb.“ Nach acht Jahren bei der deutsch-russischen Eurockot, die Satellitenstarts mit umgebauten SS-19-Interkontinentalraketen vermarktet, wechselte der Norddeutsche 2003 an die Spitze von Galileo Industries nahe München.
Im März werden die Stamerjohanns 35 Jahre verheiratet sein, auch wenn Günter Stamerjohanns eine andere Rechnung aufmacht: „Ich sage immer, wir sind erst zehn Jahre verheiratet; die anderen war ich ja nicht zu Hause.“ Scherzhaft sagt der Manager, der daheim nicht einmal einen eigenen Schreibtisch hat, das zwar, dennoch mit einer tieferen Wahrheit. Fast ebenso lange wohnen die Stamerjohanns unweit des Elternhauses von Ehefrau Waltraut in Hoykenkamp, selbst wenn „mein Mann hier eigentlich schon outgesourct ist“.
Von dort werden auch die gemeinsamem Hobbys gepflegt, schließlich „besteht das Leben nicht nur aus dem Beruf“: Golf („Meine Frau spielt besser als ich“) und Reisen stehen ganz oben an. Aber auch dabei geht es nicht ohne Flieger: Mit Golffreunden geht es bald nach Marokko, im Sommer dann in den Urlaub nach Namibia.
Dass er die Vollendung von Galileo im Jahr 2011 als Chef des Unternehmens erleben wird, glaubt Stamerjohanns nicht. Ihn zieht es zurück in den Norden. In Bremen wolle er noch arbeiten, „solange ich Kraft habe, etwas zu bewegen“. Das sagt einer, dem es „Freude macht, auf das Erreichte zurückzublicken“.
„Fliegen ist für mich wie
Busfahren“
G. Stamerjohanns
