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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Power-Frau mit Bodenhaftung

19.05.2012

BERLIN Wie man „Power-Frau“ übersetzt? Am besten mit Ulrike Hinrichs (43) – Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) in Berlin. Der Titel klingt nach strengem Business-Kostüm und nach ganz vielen Zahlen. Im Männer-dominierten Berlin fällt die vor Energie sprühende Auricherin sofort auf. Nicht nur wegen des schicken Motorrollers ganz in Schwarz. Damit fährt Hinrichs schon mal den BVK-Präsidenten ins Wirtschaftsministeriums, wenn’s eng wird.

Gar nicht ganz grau, sondern schillernd bunt sieht ihre Karriere aus: Bauernhof, Lehramtskandidatin, Journalistin, Fernseh-Frau, Seehofer-Sprecherin, Auswärtiges Amt und jetzt Geschäftsführerin in der Finanzwelt. Mit Hinrichs regiert ein Stück ostfriesische Kultur in Berlin. „An der Teezeremonie kommt kein Gast vorbei“, lacht die Ostfriesin.

Oder doch Oldenburgerin? Geboren wurde Hinrichs am 8. Februar 1969 in der Hunte­stadt. Die ersten Jahre verbrachte die Familie in Emden. Ansonsten reichen die Wurzeln tief in Auricher Grund. „Mein Vater ist Ur-Auricher, die Mutter plus sieben Geschwister kommen aus Hage bei Norden. Wir sind richtige Ostfriesen und stark landwirtschaftlich geprägt.“

Fast alle Verwandten seien im Nordwesten geblieben. „Göttingen war ziemlich das Südlichste, wo ein Bruder hinzog“, erzählt die 43-Jährige, die das Gymnasium ab Klasse 10 schmeißt, um als pharmazeutisch-technische Assistentin anzufangen. Ein Irrtum in rebellischer Zeit. Deshalb zurück zum Fachgymnasium mit Schwerpunkt allgemeine Landwirtschaft. „Ein Riesenvorteil später, als ich zu Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) ging. Der hatte von Landwirtschaft zunächst wenig Ahnung. Ich dagegen wusste, wie ein Hof aussieht und wie Futtermittel für Rinder berechnet werden.“

Vor Seehofer (2005) geht’s erst kreuz und quer durch die journalistische Landschaft, mit einem Staatsexamen für Germanistik und Chemie auf Lehramt im Rücken. Vom Südwestrundfunk als „Taglöhnerin“ zum ZDF, zu „Mit mir nicht“, „Frontal“, „Kennzeichen D“ und nach Berlin. „Dabei habe ich viel Gesundheitsberichterstattung gemacht – und kam zwangsläufig an Seehofer nicht vorbei. Plötzlich fragte er mich, ob ich Sprecherin werden wollte“, erzählt Hinrichs.

Zwischen dem Bayern und der Ostfriesin stimmt die Chemie. Bei Seehofer begann der erste Tag mit einem Knaller: Gammelfleisch entdeckt. Und der Hausherr weilt zu Beratungen in Brüssel, Hinrichs steht den fragenden Journalistenscharen alleine gegenüber. „Nach dem Gammelfleisch fielen bald tote Vögel vom Himmel. Und: Das Hauptinfektionsfeld der Vogelgrippe lag im Wahlkreis der Kanzlerin auf Rügen!“, erinnert sie sich mit Schrecken.

Kaum weniger ruhig wird’s ab 2009 beim ZDF und bei Phoenix. Hinrichs begleitet alle Anti-Piraten-Einsätze vor Somalia, kreuzt mit der Marine vor dem Libanon, fährt im Wintersturm vor Norwegen im U-Boot. Da ist der Wellenschlag als Büroleiterin von FDP-Staatssekretärin Cornelia Pieper im Auswärtigen Amt deutlich geringer.

Abenteuerin und Kapitalbeteiligungsgesellschaften – wie geht das zusammen? „BVK-Präsident Hanns Ostmeier kam auf mich zu: ,Wir suchen jemand, der weiß, wie Regierungsarbeit funktioniert, und der journalistisch tickt.‘ So bin ich seit dem 1. Mai 2011 BVK-Geschäftsführerin“, schmunzelt Hinrichs, die die Unterschiede zu den internationalen „Heuschrecken“ sofort klärt: „Von unseren rund 300 Mitgliedern investieren mehr als 200 als Eigenkapitalgeber vor allem in kleinere und mittelständische Unternehmen.“

Kapitalbeteiligungsgesellschaften sammeln Kapital überwiegend im Ausland ein (75 Prozent) – und setzen es hier ein. Sie würden „keinen operativen Einfluss auf die Unternehmen nehmen“, sondern stellen die Ressource Kapital zur Verfügung (2011: rund 5,92 Milliarden Euro). Hinrichs: „Kleine Fonds beginnen bei 30 bis 50 Millionen Euro, die großen Fonds unserer ausländischen Mitglieder reichen bis zu einem Milliarden-Volumen.“

In Deutschland sind mehr als 5000 Unternehmen mit gut einer Million Arbeitsplätzen Beteiligungskapital-finanziert. Im Nordwesten gehören dazu beispielsweise Derby Cycle in Cloppenburg, Jung Pumpen in Steinhagen, Takko Fashion in Telgte oder Brötje-Automation in Wiefelstede.

Wer Hinrichs zur „Lobbyistin“ erklärt, erntet keinen Widerspruch. „Damit habe ich kein Problem“, sagt sie: „Wir stellen dabei unsere Expertise zur Verfügung. Und nicht nur die Politik ist durchaus darauf angewiesen.“

Auch Geld kann sehr spannend sein.

Gunars Reichenbachs
Chefkorrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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