Hannover/Vechta/Cloppenburg - Ex-Minister Uwe Bar­tels wagt eine klare Prognose im Namen des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF): „Die Tiere werden glücklicher sein – und sich wohlfühlen.“ Im Haus von Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) fehlte es am Montag nicht an optimistischen Tönen. Gemeinsam mit Heinrich Dierkes von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) setzten die Drei ihre Unterschrift unter „gemeinsame Eckpunkte“ für die Verbesserung des Tierwohls in der Schweinehaltung – auf das bisher übliche routinemäßige Abschneiden von Ringelschwänzen wird künftig so weit wie möglich verzichtet. „Eine wegweisende Vereinbarung", lobt Meyer diesen Schulterschluss, der auch noch mit einer Prämie von 16,50 Euro pro intakter Rute honoriert werden soll.

Bisher werden Schwänze abgeschnitten, damit sich die Tiere nicht gegenseitig beißen, was zu gefährlichen Entzündungen führen kann. Jetzt startet der Einstieg in den Ausstieg. „Ein wichtiges Signal für uns Schweinehalter“, signalisiert Dierkes die Bereitschaft zum Mitmachen.

„Man kann nicht den Schalter im Stall umlegen – und alles ist gut“, weist der Agrarminister auf noch zahlreiche Probleme. Selbst auf Biohöfen kriegen Tierhalter das Schwanzbeißen nicht immer in den Griff. Ein ganzes Netzwerk von Experten soll deshalb die Initiative begleiten, gute Tipps und Ratschläge geben – von Wissenschaftlern über Tierärzte, Mäster, Biolandwirte bis hin zu Anlagenbauern und sogar Schlachthof-Experten.

„Eine außergewöhnliche Koalition“, findet Bartels: „Das Oldenburger Münsterland hat verstanden, dass die Menschen einen anderen Umgang mit Tieren haben wollen.“ Nur wer sich auf den neuen Weg einlasse, werde erfolgreich sein. „Davon hängt auch die Bedeutung des Oldenburger Münsterlandes auf dem Weltmarkt ab“, ist Bartels überzeugt.

Der Schweinehalter Dierkes bestätigt: „Tierwohl ist ein Mega-Thema.“ Der Tierhalter gibt aber auch zu, dass nicht nur Einsicht zu einer anderen Einstellung in der gesamten Branche führe. „Wir hatten Angst, dass uns die Dinge überrollen“, gibt Dierkes unumwunden zu. Deshalb sei die gemeinsame Erklärung auch „eine Einladung an alle in der Branche, mitzumachen“.


Das erste Echo fällt jedenfalls positiv aus. Die beiden Kreislandvolkverbände Cloppenburg und Vechta sprechen von einem „richtigen Weg“. Es dürfe jedoch keine Festlegung auf einen bestimmten Zeitpunkt geben, und der Umstieg müsse wirtschaftlich darstellbar sein. Vor allem: „Minister Meyer hat nun ganz offensichtlich eingesehen, dass sein bisheriger Konfrontationskurs zur Landwirtschaft nicht zielführend ist.“

Der FDP-Agarexperte Hermann Grube nennt „Meyers Wende ein gutes Signal“.