Ganderkesee - In ganz Deutschland sind noch zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. Betriebe aus allen Branchen haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu füllen. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht der Bundesregierung hervor.
Auch in der Gemeinde Ganderkesee sei dieser Trend zu spüren, berichtet Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land. „Wir haben ein deutliches Minus im Vergleich zum letzten Jahr, und zwar über alle Branchen hinweg.“ Besonders betroffen seien die Nahrungsmittelberufe. Den Grund dafür sieht er vor allem im demografischen Wandel und dem Rückgang der geburtenstarken Jahrgänge. „Der Markt kippt. Es gibt mehr Lehrstellen als Bewerber“, sagt Günnemann. Auch die schulischen Leistungen der Jugendlichen würden durchweg schlechter.
Hergen Kämena, Inhaber von Müller´s Wurstdiele Gut Nutzhorn, kennt das Problem gut. „Ich habe gerade noch meine Ausbildungsstellen im Verkauf und in der Produktion besetzten können“, sagt er. Dass er noch Lehrlinge gefunden habe, sei allerdings eher eine Ausnahme. „Ich habe kaum Auswahlmöglichkeiten.“ Die Anzahl an Bewerbern sei rar. Kämena glaubt: „Wir erwarten zu viel. Wir müssen uns auf eine andere Jugend einstellen. Viele Dinge, die uns an der heutigen Generation stören, müssen wir einfach hinnehmen.“
Seine Azubis stellt Kämena in der Regel erst ein, nachdem sie ein Praktikum bei ihm absolviert haben. Gerade beschäftigt er zwei Langzeitpraktikanten. „Es muss auch menschlich passen. Ich weise niemanden ab, der schlechte Noten auf seinem Zeugnis hat. Wer die Liebe zum Beruf hier entdeckt, der bekommt eine Chance.“
Keine Probleme gibt es hingegen im Rathaus. Es gebe genug qualifizierte Bewerber, so Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Gut besetzt mit Auszubildenden ist zurzeit auch das Hotel Backenköhler in Stenum. Allerdings beklagt Inhaber Uwe Vosteen, dass die Bewerbungen immer kurzfristiger eingereicht würden. „Früher kamen sie schon im Oktober oder November, jetzt immer häufiger erst zwischen Januar und Februar.“
Auch bei MBB Palfinger in Ganderkesee gebe es genug Bewerber, wie Personalleiterin Pamela Österman mitteilt. Ein einwöchiges Praktikum sei dort allerdings Einstellungsvoraussetzung. „So gewinnt man einen richtigen Eindruck vom Bewerber.“ Aber auch Östermann stellt fest, dass die schulischen Leistungen der Bewerber stark nachgelassen haben. „Ich glaube, das hat viel mit der persönlichen Einstellung zu tun.“ Die Jugendlichen würden zu Hause kaum noch Werte vermittelt bekommen.
