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Im- und Exporteure im Nordwesten in Aufregung Sorgen wegen Explosion bei Container-Frachtraten

Oldenburg - Bei den Frachtkosten für Container ging es in letzter Zeit drunter und drüber. Das ergab eine Umfrage der Oldenburgischen Indus­trie- und Handelskammer (IHK). Konkret geht es darum: „Kurzfristig nach oben korrigierte Seefracht-Raten, überraschend abgelehnte Frachtaufträge, verknappter Laderaum, fehlende Container, verzögerte Ladungen“ – mit solchen und weiteren Unwägbarkeiten kämpfe zurzeit „ein Großteil der Im- und besonders der Exporteure im Oldenburger Land“, berichtete die IHK. Und dies „trotz langfristiger Verträge und Frühbucher-Rabatte“.

Ein Verdacht

Immerhin gaben mehr als 60 Prozent der 165 befragten Betriebe (darunter viele im Im- und Export) an, von der aktuellen Praxis der Reedereien stark bis sehr stark betroffen zu sein. Spediteure sähen sich „gezwungen, die Teuerungen an ihre Kunden weiterzuleiten“. Die Folge: Transport-Kosten werden unkalkulierbar.

Ein Beispiel: Ein Importeur aus dem Oldenburger Land, der sich bei unserer Redaktion meldete, berichtete vor wenigen Wochen von „6,6-fachen Seefracht-Erhöhungen“. So etwas sei „auf jeden Fall existenzbedrohend“, beschrieb der Mann. Es rieche nach „verbotenen Preisabsprachen“ zwischen den Reedereien.

Ein Verdacht drängt sich offenbar bei zahlreichen Betroffenen auf. Spekulationen auch um den Handel zwischen China und den USA schießen ins Kraut.

Malte Smolna (Cetex Rheinfaser/Ganderkesee), der den IHK-Exportleiterkreis leitet, frage sich „ganz offen, ob diese aktuell unkalkulierbaren Schwankungen tatsächlich nur auf Angebot und Nachfrage im internationalen Handel und auf die Corona-Krise zurückzuführen sind, wie die Reedereien bereits öffentlich verlauten ließen“, erklärte die IHK.


Fakt ist: Nach einer Konzentrationswelle in der Containerreederei-Branche wird der globale Markt von einer nur noch einstelligen Zahl mächtiger Allianzen geprägt. Den „inzwischen wenigen Reedereien“ müsse „zumindest die Möglichkeit genommen werden, fest vereinbarte Transportverträge einseitig zu brechen“, fordern Experten wie Smolna. Allein auf bessere Zeiten zu hoffen, sei „naiv“.

Man müsse dringend auf Vertragssicherheit hinarbeiten, forderte Smolna. Aus Unternehmenssicht könnten Änderungen im Vertragsrecht zu einer Bindung an die vereinbarten Verträge und Raten führen, schlägt er vor. Frachtraten sollten eine Verbindlichkeit von mindestens drei Monaten haben. Auch die Politik werde hier in der Verantwortung gesehen.

Die Folgen

Aktuell verschlechtere sich durch die aktuellen Unwägbarkeiten und Preissprünge das Verhältnis zu Kunden, hieß es bei der IHK. Es gehe etwa um nicht kalkulierbare Kosten, daraus resultierende Auftragsverluste, Konventionalstrafen, Preis- und Lieferprobleme, die bis hin zur Insolvenz führen könnten.

Der Großteil der Umfrageteilnehmer fühle sich den Reedereien derzeit hilflos ausgeliefert, berichtete die IHK. „Wer kann, nutzt jetzt vermehrt die Bahn.“

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)
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