Varel/Nordenham - Das Bangen von rund 1300 Beschäftigten um den Verbleib des Vareler Werkes von Premium Aerotec (PAG) im Airbus-Konzern geht weiter. Sie fürchten bei einem möglichen Einstieg von Investoren etwa Verlagerungen von Teilen der Produktion in Billiglohnländer und letztlich auch Druck auf die Löhne.
Bis Ende Juli wolle man in Gesprächen mit dem Betriebsrat weiterkommen, sagte der Airbus-Manager André Walter am Mittwoch nach Gesprächen mit dem Europäischen Betriebsrat auf eine Frage unserer Zeitung. „Wir sind bereit, auch über andere Lösungen zu sprechen“ und sie zu „untersuchen“, sagte Walter bei einer Videokonferenz mit Blick auf „andere Vorstellungen“ der Sozialpartner. Zugleich sei man „immer noch der Meinung, dass wir das Geschäft mit kleinen Teilen besser mit einem externen Partner betreiben können“. Es gehe um das komplette Werk.
Wer wird der Käufer sein?
Zu möglichen Käufern oder Investoren für Teile-Aktivitäten in Varel und an anderen Standorten wollte der Chef der deutschen Airbus-Zivilflugzeugsparte sich nicht äußern. Ein formaler Prozess dafür sei noch nicht angestoßen.
Wie berichtet, plant der Airbus-Konzern einen größeren Umbau. Dieser ist heftig umstritten. IG Metall und Betriebsräte machen mobil. Nach dem Airbus-Konzept soll die Fertigung von großen Strukturteilen direkt in die flexible Steuerung der Flugzeugproduktion integriert werden. In der neuen Einheit soll auch das Rumpfsegmente-Werk von PAG in Nordenham (2400 Beschäftigte) komplett aufgehen. Es gehe um den künftigen „Kern-Bestandteil von Airbus“.
Zugleich soll ein neues Unternehmen für kleine Teile (mit Varel) gegründet werden. Hier soll ein Partner bzw. Investor einsteigen. Airbus sei „nicht geeignet, dieses Geschäft zu betreiben“.
Thomas Busch: Gesamte Kette erhalten!
PAG-Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Airbus-Betriebsratsmitglied Thomas Busch aus Varel forderte bei einer Videokonferenz mit der IG Metall am Abend, „die gesamte Produktkette zu erhalten, von Einzelteile bis zur Endmontage“. Es drohe mehr Komplexität und mehr Aufwand. Busch kritisierte bei der Neuordnung auch eine „Ungleichbehandlung von Deutschland und Frankreich“. Im Partner-Land bleibe den Planungen zufolge der „Wertstrom beisammen“, während es in Deutschland einen „anderen Ansatz für die Einzelteile“ gebe.
Busch sprach die Spezialitäten des Vareler Werkes an - wie Komponenten für den Eurofighter, Torrahmen für Jets oder auch den vor Ort entwickelten 3-D-Druck. Dafür seien ja auch erhebliche staatliche Mittelgeflossen. Jetzt müsse es darum gehen, „geschlossen gegen die Zerschlagung von PAG vorzugehen“. Das Unternehmen leide auch unter seiner aktuellen Grundkonstruktion im Konzern: Der Besetzer - Airbus - gebe praktisch Zielpreise vor.
IG Metall: Es werden Ängste geschürt
IG-Metall-Bundesvorstandsmitglied Jürgen Kerner meinte in der Videokonferenz, die von Airbus geplanten Maßnahmen würden die „Komplexität erhöhen“ und „Ängste schüren“. Kerner warnte vor mehr Druck und Verschlechterungen für die Belegschaften als Folge des Umbaus. So müssten sich die Airbus-Standorte in den verschiedenen Staaten voraussichtlich bei der nächsten Generation von Verkehrs-Jets (mit einem Gang) um Arbeitspakete konzernintern bewerben. Dann gerate man auch in Konkurrenz zu Aktivitäten im Boom-Markt China. Eine Zerschlagung sei „nicht akzeptabel“, meinte Kerner.
