Altenesch - Es würden nicht mehr Milch und Butter verkauft, bloß weil man die Preise ruinös senken würde. Stattdessen müsse versucht werden, mit der hiesigen Weidemilch das Bewusstsein von mehr Verbrauchern zu erreichen, sagte jetzt Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) bei seinem Besuch in Altenesch.
„Begeistert werden in den Supermärkten mit der Vorstellung von idyllisch grünen Almen bayrische Milchprodukte gekauft, obwohl die Anbindehaltung dort mit Abstand am größten ist. Bei der Grünlandhaltung in der Wesermarsch werden hingegen von einem großen Teil der Betriebe sogar bei der konventionellen Billigmilch die Vorgaben von Weidemilch erfüllt“, ging Christian Meyer bei seinem Besuch auf dem Hof von Familie Rose auf die Milchpreise und andere Probleme der hiesigen Landwirte ein.
Mit einem bundesweiten, in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden erarbeiteten Siegel sollen bald alle nachhaltig erzeugten Weidemilchprodukte, wie Käse oder Joghurt, eindeutig gekennzeichnet werden. Den Landwirten werde das fünf Cent mehr pro Liter Milch bringen, stellte der Minister in Aussicht. Gastgeber Lür, Gunda und Lars Rose gehören schon jetzt zu den Teilnehmern des Weidemilchprogramms, das unter anderem beinhaltet, dass nur Futter zum Einsatz kommt, das nicht genmanipuliert ist.
Damit, dass der Landwirtschaftsminister seinen Altenescher Hof besuchen würde, hatte Lür Rose vor einem Jahr gar nicht gerechnet, als er halb im Spaß zu Johanna Neuhaus sagte: „Wenn es Leute gibt, die sich unseren Betrieb ansehen wollen, können wir das gerne machen.“ Doch das Berner Ortsgruppenmitglied von Bündnis 90/Die Grünen nahm ihn ernst und arrangierte zusammen mit den Lemwerderaner Grünen das Treffen mit Hofrundgang und Diskussion.
Mit seinem Sohn Lars, der als 16. Generation in den traditionellen Grünlandbetrieb eingestiegen sei, führe er den Hof. Vor zwei Jahren wurde der neue Stall gebaut, um von 70 auf 140 Kühe aufzustocken, für mehr Tierwohl zu sorgen und so das Überleben von zwei Familien sichern zu können, lieferte Lür Rose zunächst einige Einblicke. Diese Zusammenarbeit mit dem Sohn biete aber nicht nur Entlastung bei der Versorgung der Tiere, die weder Wochenende noch Feiertag kennt, sondern habe überhaupt erst den nötigen Kredit möglich gemacht, den es für ihn nicht mehr gegeben hätte, hieß es.
Bei der anschließenden Diskussion nach der Hofbesichtigung ging es um die Düngeverordnung, die auf Grünland anders berechnet werden müsse, um Fördermaßnahmen, um den Mangel an Schulplätzen, das Thema „Wolf“ sowie um die geplante Weservertiefung.
